Mittelständler und etablierte Unternehmen können von der Innovationskraft von Start-ups profitieren. Voran geht die Zusammenarbeit trotzdem nur langsam, bemängelt Niklas Veltkamp.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

Die Digitalisierung ist nicht zu stoppen. Start-ups sind Treiber von digitalen Innovationen. Junge und etablierte Unternehmen können voneinander profitieren. Diesen drei “Thesen” würde wohl nahezu jeder zustimmen. Jeder? Sollte man meinen. Aber leider ist dem nicht so. Dies ist nicht nur schade und erschreckend – sondern kann zu einer echten Gefahr für die Wirtschaft und die Wertschöpfung in Deutschland werden.

Digitalisierung ist wichtig, ja. Und Digitalisierung kann eine Chance für das eigene Unternehmen sein: Das sehen immerhin mittlerweile neun von zehn Unternehmen so. Nur acht Prozent nehmen die Digitalisierung hingegen vor allem als Risiko und Bedrohung wahr. Voran geht es bei dem Thema trotzdem nur langsam. Zwar haben vier von fünf Unternehmen inzwischen eine Digitalstrategie und reagieren auf veränderte Marktbedingungen durch die Digitalisierung, aber nur jedes Vierte investiert in digitale Geschäftsmodelle. Immerhin: Die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr. Die Richtung stimmt, die Geschwindigkeit nicht.

Das Geschäft von morgen ist digital

Vor allem viele Mittelständler, die derzeit prall gefüllte Auftragsbücher haben und gute Geschäfte mit ihren etablierten Produkten machen, werden in Zukunft nicht konkurrenzfähig bleiben, wenn sie nicht anfangen ihr Unternehmen zu digitalisieren. Denn das Geschäft von morgen ist fast ausschließlich digital. Und dieses Geschäft von morgen muss gerade jetzt, in der wirtschaftlichen Hochkonjunktur, vorbereitet werden. Ein Unternehmer, der Verantwortung trägt, kann und darf nicht sagen: “Für das Thema Digitalisierung fehlt mir die Zeit, in die Zukunft investiere ich kein Geld.” Und: Ein Unternehmer, der sein Geschäft weiterentwickeln und digitalisieren möchte, darf nicht nur auf seine klassischen Wettbewerber achten. Er muss Tech-Konzerne genauso im Blick haben wie neue Akteure, junge, innovative Start-ups. Und er sollte diese auch als Kooperationspartner für gemeinsame Projekte in Betracht ziehen, aktiv den Austausch suchen und gemeinsam neue Ideen entwickeln.

Kooperation ist keine Einbahnstraße

Mittelständler und etablierte Unternehmen können – davon bin ich überzeugt – von der Innovationskraft, die von Ideen der oft noch jungen Start-ups ausgeht, profitieren. Doch die Realität sieht leider anders aus: Unternehmen fehlt es quer durch alle Branchen an Kontakten mit Start-ups. Sechs von zehn Unternehmen ab 20 Mitarbeitern geben an, dass sie überhaupt nicht mit Start-ups zusammenarbeiten. Eine ernüchternde Zahl.

Die Offenheit bei Start-ups scheint deutlich größer: So geben drei von fünf Gründern an, dass gemeinsam Produkte oder Dienstleistungen mit etablierten Unternehmen entwickelt werden, zwei von fünf arbeiten auf andere Art, etwa bei Gründerwettbewerben lose mit etablierten Unternehmen zusammen oder stehen zumindest in Kontakt mit diesen. Und immerhin sind an jedem fünften Start-up etablierte Unternehmen finanziell beteiligt. Doch Kooperation ist keine Einbahnstraße. Beide Seiten können gewinnen, kulturelle Unterschiede können – vielleicht im Einzelfall mit etwas Ruckeln – überwunden werden.