Deutschland mangelt es nicht an Gründerinnen, sondern an Unternehmerinnen. Frauen haben Angst mit ihrem Business richtig durchzustarten, kritisiert Meike Haagmans. 

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Pünktlichkeit ist nicht meine Stärke. Und so kam es, dass ich auch vor zwei Wochen zu der Kickoff Veranstaltung meines neuen Entrepreneurs‘ Organization (EO) Accelerator Jahrgangs zu spät kam. Unangenehme Situation, aber durchaus nicht fremd für mich. Leicht abgehetzt öffnete ich die Tür des Veranstaltungsraums und blickte in einige bekannte und viele neue Gesichter. Und wie es an solchen Tagen meistens so ist, befand sich der einzige freie Platz in der letzten Reihe, und so versuchte ich mich – möglichst unauffällig – an den anderen dreißig Teilnehmern vorbeizuschlängeln.

Dass ich dennoch für Aufsehen sorgte, lag weniger an diesem verspäteten Auftritt, sondern viel mehr an der Tatsache, dass ich die einzige weibliche Gründerin war, die sich für das Programm qualifiziert hat.

Weibliche Teilnehmerinnen sucht man vergebens

Ich bin seit einem Jahr im EO Nachwuchsprogramm und seit Anfang an ein großer Fan. Das ursprünglich aus den USA stammende Netzwerk hat sich zur Aufgabe gemacht Unternehmer und Unternehmerinnen, die mindestens eine Millionen Dollar Umsatz erwirtschaften, miteinander zu verbinden und den Austausch zu fördern. Eine Art Selbsthilfegruppe für Unternehmer quasi. Und es käme nicht aus Nordamerika, wenn es keine sektenartigen Strukturen hätte: neben einem strikten Handyverbot darf man nur ein Mal im Jahr fehlen und aufgenommen wird nur, wer von anderen Mitgliedern empfohlen wurde. Streng, aber effektiv.

Auch für uns Accelorator Teilnehmer gelten diese Bedingungen, mit der Ausnahme, dass der Mindestumsatz nur 250.000 Euro betragen muss. Auf den ersten Blick ein ganz schöner Batzen Geld, aber genau diese Voraussetzung, ist es, die uns zu einer homogene Gruppen wachsen lässt, denn schlussendlich befinden sich alle Mitglieder in einer vergleichbaren Situation: Wachstum, Mitarbeiter, Investitions- und Liquidationsprobleme. Allerdings scheint die Homogenität allmählich überhand zu nehmen, denn weibliche Teilnehmer sucht man fast vergebens. Und ich behaupte, dass es nicht am Recruitingprozess der Organisation liegt.

Frauen sollten antreten, um Gewinn und Umsatz zu generieren

Ich persönlich vermute viel mehr, dass es der Mindestumsatz ist, an dem viele Gründerinnen scheitern. Denn an Gründerinnen scheint es Deutschland nicht zu fehlen. Female ist doch das Modewort des Sommers, gefolgt von Empowerment. Und auf zahlreichen Female-Events werden Vistitenkarten getauscht, auf der mindestens jede zweite Teilnehmerin „Gründerin“, „Speakerin“ oder „Coach“ ist. Wir haben in Deutschland also keinen Gründerinnen-Mangel, sondern einen Unternehmerinnen-Mangel. Es fehlen Frauen die eine Firma gegründet haben, um Umsatz und Gewinn zu generieren, um Mitarbeiter einzustellen, um die Welt mit ihren Ideen zu verändern und die wissen, dass das Wort „Traumbusiness“ mehr mit dem Unwort des Jahres zu tun hat, als mit Selbstverwirklichung.

Vor genau einem Jahr habe ich mich in meiner Kolumne schon ein Mal mit dem Thema Gründerinnen beschäftigt. Damals ging es um das Thema Finanzierung und bin zu dem Entschluss gekommen, dass, solange Frauen nicht von sich und ihrer Arbeitskraft selbst überzeugt sind, es auch niemand anderes sein kann – weder Investoren, noch Banken.

Allein unter Männern

Heute bin ich der Meinung, dass es nicht nur Überzeugung bedarf um eine erfolgreiche Unternehmerin zu werden, sondern auch unternehmerischer Verantwortung. Also genau das, was Empowerment einfordert. Aber anstatt das zu realisieren, was wir aktuell auf bedruckten, organischen T-Shirts und Baumwoll-Stoffrücksäcken einfordern, habe ich das Gefühl, dass viele Frauen das wirkliche Wachstum scheuen. Lieber wird  eine Weiterbildung nach der anderen belegt, um schlussendlich doch klein zu bleiben, weil wir damit bisher doch auch immer ganz gut gefahren sind. Und solange wird der Austausch auf Augenhöhe in der deutschen Gründerkultur wohl männerdominiert bleiben – mit hier und da einer Gründerin dazwischen.