Gut, dass man als Gründer nicht schon vorher weiß, was alles auf einen zukommt, findet unsere Kolumnistin Meike Haagmans. 

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene.  Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventours und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Vielleicht mag es auf den ersten Blick absurd klingen, die Geburt eines Kindes mit dem Aufbau einer Firma zu vergleichen. Aber nicht ohne Grund sprechen viele Gründer von „ihrem Baby“.Eigentlich hatte ich nie geplant, ein Unternehmen zu gründen. Ganz im Gegenteil: Während meiner Ausbildung beging mein ehemaliger Vorgesetzter im Büro Suizid. Ich entwickelte damals eine große Abneigung gegen den wirtschaftlichen Druck, den ein Firmeninhaber zu tragen hat.

Und trotzdem entstand einige Jahre später der Wunsch, selber etwas aufzubauen. Es war vermutlich eine Kombination aus dem Bestreben nach selbstbestimmten Arbeiten und der Entdeckung einer Nische am Tourismusmarkt, die schlussendlich dazu führte, dass ich vor fünf Jahren zum Notar ging.

Wie aus Ideen Konzepte werden

Begonnen hat alles 2011 während der wohl langweiligsten Vorlesung meines gesamten MBA-Studiums in Buenos Aires. Aus reinem Zeitvertreib und vollkommen desinteressiert am Unterricht fing ich an, mit einem Bleistift einen Globus auf mein Manuskript zu kritzeln und verzierte diesen mit Buchstaben in Graffitischrift. Später entstand genau aus dieser Zeichnung das erste Logo von Joventour. Seit diesem Moment ist es ist unfassbar faszinierend, mitzuerleben, wie aus Ideen Konzepte werden, sich aus Konzepten Prozesse entwickeln und diese anfangen zu wachsen. Jeden Tag aufs Neue. Für mich als Gründerin gibt es nichts Spannenderes als zu beobachten, dass eine Idee funktioniert. Und wie man einen Gedanken mit einem Zettel und einem Stift zum Leben erwecken kann.

Die eigene Komfortzone verlassen

Und doch ist Gründen auch das tägliche Verlassen der Komfortzone. Auch nach fünf Jahren zweifele ich als Gründerin immer noch an mir selbst. Ich tue mich zum Beispiel unheimlich schwer mit der Mitarbeiterführung und stelle meine Führungskompetenz regelmäßig in Frage. Auch neige ich immer wieder zu den Konjunktiv-Gedanken und diskutiere die Entwicklung von Joventour nach wie vor: wäre eine höhere, womöglich VC-Finanzierung besser gewesen? Und hätte ich nicht doch in Vollzeit gründen sollen?

Statt allerdings darüber nachzudenken, sollte ich mich vielleicht einfach mal fragen: was wäre wenn, diese Vorlesung damals nicht so grottenlangweilig gewesen wäre? Möglicherweise würde ich diese Zeilen nie schreiben. Wenn ich heute auf die vergangenen fünf Jahre zurückblicke und die ganzen Beißschienen, die ich nachts vor lauter Gedanken-Machen zerkaut habe zähle, kann ich sagen: es hat sich alles gelohnt. Ich hätte keine bessere Entscheidung treffen können. Ich bin einfach nur dankbar für alle Erfahrungen, die ich machen konnte und musste. „Building a company is a very emotional process”, sagte Gadventure-Gründer Bruce Poon Tip. Genauso wie Kinderkriegen.