Die Digitalisierung gehört zu unserem Alltag, doch in manchen Branchen stößt sie bereits an ihre Grenzen. Und das ist auch gut so, findet Meike Haagmans.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene.  Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventours und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

„Möchten Sie auch zu Riiibei?“ Der ältere Herr steht etwas verloren vor der Tafel voller moderner Firmennamen.

Ich bin in Berlin. Meine Kollegin und ich sind heute zum Mittagessen mit einer ehemaligen Kommilitonin verabredet, die inzwischen bei reBuy arbeitet.

 „Ja, ich glaube, es ist der 3. Stock.“ Gemeinsam mit dem Herrn steigen wir in den Fahrstuhl. Und noch beim Betreten des Aufzuges, frage ich mich, was ihn zu einem jungen Berliner Start-up führt. Vielleicht will er seine Enkeltochter vom Praktikum abholen und zum Mittagessen ausführen?

Wir lassen dem Herrn beim Erreichen der 3. Etage den Vortritt und stellen uns hinter ihm beim Empfang an.

ReBuy hat ein typisches Start-up Büro: die Rezeptionistin trägt, wie vermutlich alle anderen Mitarbeiter auch, Turnschuhe und den neusten Modetrend. Ob das vielleicht schon seine Enkelin ist? Nein, sie scheinen sich nicht zu kennen. Sie blickt kurz hoch und fragt dann freundlich: „Wie kann ich Ihnen helfen?“

Digital ist das Zauberwort

Der alte Herr schaut sie kurz an, greift dann in seine Tasche, holt ein altes Nokia 5110 heraus und legt es auf die Theke. „Ich möchte dieses gerne verkaufen.“ Meine Kollegin und ich können uns ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Nein, das tut mir leid, das Handy können Sie bei uns nicht verkaufen – das müssen Sie digital über unsere Website machen“, sagt die Mitarbeiterin, verweist auf einen Flyer und verabschiedet sich freundlich von dem Herrn.

Und da war es, das neue Zauberwort: ‘digital’. Anscheinend geht es nicht mehr ohne. Und obwohl die Digitalisierungswelle schon längst über uns eingebrochen ist, stößt sie in manchen Branchen bereits an ihre Grenzen – oder scheitert sogar komplett.