Weibliches Unternehmertum muss stärker gefördert werden. Dabei helfen Vorbilder: Vier spannende Frauen aus der Gründerszene, die inspirieren.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt wieder Tijen Onaran. Sie ist Gründerin von startup affairs, einer PR und Public Affairs Beratung für Start-ups, Venture Capitals und Unternehmen. Mit Women in Digital e.V. vernetzt Onaran Entscheiderinnen der Digitalbranche und macht diese sichtbar.  Vor der Gründung von startup affairs war sie als Leiterin Kommunikation beim Onlinehandelsverband Händlerbund und in unterschiedlichen Funktionen für Bundestags-, Europaabgeordnete sowie das Bundespräsidialamt tätig.

Auf dem WomenG20-Gipfel waren sich alle einig: weibliches Unternehmertum muss noch stärker gefördert werden! Förderung heißt auch Orientierung – Orientierung an Vorbildern, Mentoren und Menschen, die einen inspirieren.

Es klingt fast abgedroschen, wenn über Role Models und deren Vorbildfunktion gesprochen wird, doch es ist und bleibt dabei: Menschen inspirieren Menschen. Umso wichtiger, einen Blick auf diejenigen Frauen zu werfen, die derzeit die Wirtschaftswelt verändern – ob im Kleinen oder Großen.

Nora Heer, Gründerin von Loopline Systems

Wer sich mit Nora Heer unterhält, braucht weniger als ein paar Minuten, um in die Welt von Start-ups, Mittelstand und Konzernen einzutauchen. Mit Loopline Systems setzt sie da an, wo Innovation beginnt: bei der Feedbackkultur in Unternehmen.

Ihr Credo: Mitarbeiter zu Intrapreneuren machen. Auf der digitalen Plattform, können Führungskräfte und Mitarbeiter Feedback nicht nur kommunizieren, sondern auch leben. Das Konzept überzeugt nicht nur Project A Ventures und den High-Tech Gründerfonds als Spin-off, sondern auch Gründerinnen wie Constanze Buchheim von i-potentials, die investiert.

Man merkt Nora ihre Erfahrung in unterschiedlichsten Häusern: ob bei Holtzbrinck, Meltwater oder Project A: sie könnte auch im Winter eine Eisdiele eröffnen und trotzdem stünden die Menschen Schlange. Was wir von Nora lernen können: nicht schnacken, sondern machen!

Salome Preiswerk, Gründerin von Whitebox

Es gibt nicht viele Frauen, die digitale Vermögensverwaltung so runterbrechen können, dass es auch die Eltern verstehen. Dazu braucht es bereits langjährige Erfahrung im Finanzsektor. Als studierte Juristin ist es Salome Preiswerk gewohnt, da anzusetzen wo viele thematisch aussteigen.

Auf dem Panel „Frauen und Finanzen – the next big thing?“ sprach Salome Preiswerk im vergangenen Jahr so anschaulich über Vermögensanlage und Finanzen, das klar wird: digitale Geldanlage lebt vor allem von denjenigen Menschen, die das Digitale gestalten. Dass die Finanzbranche nicht unbedingt vom Überangebot an weiblichem Unternehmertum lebt, ist kein Geheimnis. Umso wichtiger und wertvoller, dass Diversity auch im Finanzsektor ankommt.

Das Inspirierende an Salomes Weg: Wo Traditionen sind, ist auch Platz für Neues – um Pionierin zu werden, muss ich auch Pionierarbeit leisten!

Anais Roeschke, Gründerin von The Art of Business | artness.net

Es gibt nicht allzu viele Start-ups, die antreten um den Kulturbetrieb zu revolutionieren. Anais versucht es nicht nur, sie tut es.

Mit artness.net, einer Datingplattform für Kultur und Business, schafft sie einen Raum, der Bereiche zusammenbringt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Art Tinder für Kultur und Wirtschaft, wie sie selbst sagt.

Aus wenig viel machen, ist dabei ihr Motto: ob es ihre selbstgedrehten, entspannten Facebook-Videos sind, mit denen sie über aktuelle Entwicklungen rund um ihr Start-up informiert oder ihr unbändiger Wille, auch und gerade ohne viel Investitionskapital Großes zu bewirken.

Sie spricht, schreibt und teilt: über die Vereinbarkeit von Kind und Karriere oder über den oft steinigen Weg als Start-up Gründerin in einem Nischenmarkt. Von Anais kann man lernen, dass es nicht immer auf das was, sondern eher auf das wie ankommt! Sie zeigt: Kultur ist, was wir draus machen.

Miriam Wohlfarth, Gründerin von RatePay

Wenn Miriam Wohlfarth ihre Gründungsgeschichte erzählt, spricht sie offen und mit Humor auch über diejenigen Tage, an denen sie dachte: das wird doch nix mit dem Unternehmertum. Schon lange bevor Fintech in und hip war, hat Miriam eines der Unternehmertum gegründet, die den Payment-Markt ordentlich aufmischen.

Dass es dabei auch nicht so rosige Zeiten gab – verständlich; darüber zu sprechen erfordert Mut und Gelassenheit. Beides Eigenschaften, die Miriam nicht nur mitbringt, sondern auch lebt.

Lange Zeit war sie die einzige Frau auf Veranstaltungen oder Panels der Payment-Szene. Das ändert sich jetzt nach und nach, auch und gerade dank solcher Geschichten, wie der von Miriam. Vor kurzem wurde bekannt: Advent International und Bain Capital kaufen RatePay. Ein Meilenstein für Miriam und ihr Team.

Was man von Miriam lernen kann? Hinfallen, aufstehen, weitermachen! Und: Du musst nicht alles selbst können. Such dir diejenigen Menschen für dein Team, die deine Talente ergänzen!