Haben alle Gründer den gleichen Werdegang? Tijen Onaran wünscht sich mehr Vielfalt in der Branche – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Tijen Onaran. Sie ist Gründerin von startup affairs, einer PR und Public Affairs Beratung für Start-ups, Venture Capitals und Unternehmen. Mit Women in Digital e.V. vernetzt Onaran Entscheiderinnen der Digitalbranche und macht diese sichtbar.  Vor der Gründung von startup affairs war sie als Leiterin Kommunikation beim Onlinehandelsverband Händlerbund und in unterschiedlichen Funktionen für Bundestags-, Europaabgeordnete sowie das Bundespräsidialamt tätig.

„Und wie bist Du in die Start-up-Szene hineingerutscht?“, fragt mich mein Gegenüber auf einem Start-up-Event. „Über Umwege. Erst Politik, dann Wirtschaft, danach Verband und darüber dann mit vielen E-Commerce-Unternehmen zu tun gehabt, unter denen auch Start-ups waren. Und Du?“, will ich wissen.

„Ich komme aus einem Unternehmerhaushalt, ging an die WHU und wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass ich gründen will. Von da an ging es Schlag auf Schlag: Ideen sammeln, Business-Plan skizzieren, Investoren finden und zack – schon waren wir online!“

Ich komme mir in dem Moment so langweilig vor wie meine Steuererklärung. Und wenn ich denke, dass ich endlich mal eine spannende Geschichte zu erzählen habe, spüre ich den „Oma erzählt vom Krieg“-Blick.

Wo bitte ist die Vielfalt?!

Ich gebe es zu: Die Unternehmenswelt ist wahrlich nicht das, womit ich groß geworden bin. Das einzige, das man bei uns zu Hause unternehmerisch nennen konnte, waren die unglaublichen Massen an Teigwaren, die meine Mutter aus den Türkei-Urlauben mitbrachte. Daraus hätten wir locker einen Feinkost-Laden mit türkischen Backwaren eröffnen können.

Unternehmertum an sich war für mich tatsächlich nie ein Thema gewesen – bis ich Anfang dieses Jahres selbst gründete. Plötzlich fand ich mich auf Start-up-Events wieder, zwischen vielen engagierten und ambitionierten Menschen, die sich schon alle kannten und extrem „close“ waren. So sehr, dass all ihre Lebenswelten und Geschichten so gleich schienen und ich mich fragte: Wo ist die Vielfalt?

Dass es in der Start-up-Branche Nachholbedarf in Sachen Gründerinnen gibt, haben mittlerweile alle verstanden – oder sagen wir: die meisten. Dennoch ist die Start-up-Branche so vielfältig wie Sand in der Wüste. Lebensläufe mit Superlativen scheinen die Regel.