Traue ich mich, oder traue ich mich nicht? Vor einer wichtigen Kooperation mit einem anderen Start-up plagen Meike Haagmans Selbstzweifel. 

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene.  Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventours und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

„Mache es, bevor es jemand anderes macht!“ hatte mein Professor in einer meiner letzten MBA-Vorlesungen gesagt, als ich ihm von der Idee erzählte, öffentliche Überland-Linienbusse in Reisepakete für deutsche Touristen zu inkludieren. Ehrlich gesagt, hatte ich nicht mit dieser Antwort gerechnet. Ich war innerlich schon in die Defensive gegangen. Statt der erwarteten Fragen über die Durchführbarkeit sprach der Professor allerdings genau diesen Satz aus, der mich zur Gründerin machte und bis heute noch täglich begleitet.

Zwischen Hoffnung und Selbstzweifeln

Fünf Jahre später sitze ich mit meiner Mitarbeiterin in einem kleinen typischen vietnamesischen Eck-Imbiss in Berlin Mitte. Inzwischen hatte ich „gemacht“. Ich hatte den ersten deutschen Reiseveranstalter für weltweite Linienbusreisen gegründet. Und nun war ich nach Berlin geflogen, um mit dem größten Fernbusanbieter Europas über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen. Kein anderes deutsches Start-up revolutionierte in kürzester Zeit einen Markt so sehr wie Flixbus den Fernbusmarkt. Dem entsprechend entwickelte ich eine gewisse Nervosität vor dem bevorstehenden Gespräch. Wenig verwunderlich also, dass es neben drei Sommerrollen auch einige motivierende Worte meiner Kollegin bedurfte, um diese Nervosität halbwegs stillen zu können.

Wenn ich ganz ehrlich bin: Es war weniger die Nervosität, sondern vor allem Selbstzweifel, die mich plagten. Wieso sollte ein Marktführer mit millionenfachem Umsatz mit einem kleinen Start-up, dass gerade mal die Viertelmillion Umsatz geknackt hatte, sprechen? Eine monetäre Kooperation bei unserem Volumen würde noch nicht mal für eine gute Siebträger-Kaffeemaschine im Flixbus-Büro reichen. Und doch hatte ich einen Termin bekommen.