Lange musste ich nicht nachdenken, bis sich das gedankliche Konstrukt mit Gesichtern füllte. Alle meine Wunschkandidaten kannte ich persönlich, ihre Karrieresprünge haben mich schon immer beeindruckt und alle drei nehmen eine Vorbildrolle für mich ein.

Wer nicht fragt, der nicht gewinnt

Und so begann ich die drei potenziellen Mitglieder zu kontaktieren und war mir dabei sicher drei Absagen einzukassieren. Aber es sollte anders kommen: statt einer Zurückweisung erreichten mich Antworten wie „Deine Idee klingt grundsätzlich sehr gut und zweimal im Jahr ist zeitlich für mich auch machbar“ und „Eigentlich habe ich natürlich keine Zeit und wollte absagen, aber ich mache das trotzdem gerne, denn ich finde Ihre Firma spannend und ich mag Südamerika.“

Das ging runter wie Öl. Und doch traten im selben Moment erste Zweifel auf: Hat meine Firma wirklich so viel Potenzial, dass ich es mir erlauben kann die Zeit dieser Experten zu beanspruchen? Habe ich vielleicht übertrieben bei der Zusammenstellung? Mein Kopf fängt an zu arbeiten: Immer diese Daseins-Berechtigungs-Zweifel. Ich muss lernen diese auszuschalten.

Alle drei Beiratsmitglieder haben erfolgreiche Firmen gegründet, mit groß gemacht oder leiten diese – sie werden ja wohl noch selber entscheiden können, wem sie ihre Zeit und ihr Know-How zur Verfügung stellen und wem nicht! Ich versuchte mich bis zur ersten Sitzung zu beruhigen. Es gelang mir mittelmäßig und ich war ich fest davon überzeugt, dass mindestens ein Mitglied noch abspringen würde. Fehleinschätzung! Und so kam es vergangene Woche zur ersten Beiratssitzung.

Raus aus der Komfortzone

Natürlich wurden unangenehmen Fragen gestellt und in meiner vorgelegten Auswertung fehlten kohärente Zahlen in den einzelnen Produktgruppen. Auch lässt der Sales Funnel zu wünschen übrig. Und der Umsatz könnte selbstverständlich auch höher sein. Meine To-Do Liste für das nächste Beiratstreffen ist nicht gerade kurz. Aber es tat unheimlich gut, dass jemand diese Fragen stellte. Insgesamt hat das Meeting nur knapp über drei Stunden gedauert, aber ich fühlte mich, wie nach einem Marathonlauf. Alle drei Mitglieder haben es geschafft, mich in kürzester Zeit aus meinem Tunnelblick rauszuholen und mich zum Nachdenken zu bewegen. Und ich glaube, auch dem Beirat hat es Spaß gemacht, zumindest haben sie es bei der Verabschiedung gesagt. Und die Zweifel sollte ich vielleicht auch direkt mit zur Tür herausschicken.