Zu viele Klicks für zu wenig Service: Deutsche Kommunen nutzen das Potenzial von Start-ups zu wenig, sagt unser Kolumnist – und zeigt, wie es gehen könnte.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

Die Deutschen gelten ja als Digitalisierungs-Muffel, die bei allem erst einmal die Risiken sehen oder schlicht sagen: Das braucht doch keiner. Aber wenn es um digitale Angebote der Verwaltung geht, da fordert eine breite Mehrheit der Bürger unisono: Her mit den digitalen Angeboten.

Sieben von zehn Deutschen sagen in einer Bitkom-Umfrage, dass digitale Technologien die Lebensqualität in Städten erhöhen. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind sogar 84 Prozent dieser Meinung. Und die Menschen haben sehr konkrete Vorstellung, wo und wie sie diese digitalen Technologien gerne nutzen würden. 70 Prozent möchten zum Beispiel Arzttermine online vereinbaren, 79 Prozent befürworten ein zentrales Anmeldeportal für Kitas und Schulen, 83 Prozent wünschen sich Behördengänge komplett über das Internet zu erledigen und 91 Prozent hätten gerne ein Parkplatzleitsystem, das freie Stellplätze individuell zuweist

Dass es bislang so oft beim Wunsch bleibt, liegt nicht an der fehlenden Technologie. Viele Start-ups haben bereits richtig gute Lösungen für die Digitale Stadt entwickelt – von der Verwaltung bis hin zur medizinischen Versorgung.

Wer einmal auf dem Online-Portal einer größeren (oder kleineren) deutschen Stadt war, der weiß, dass es nicht nur an den Angeboten fehlt, sondern dass die wenigen, die es gibt, dann auch eher zum Fluchen verführen. Nutzerfreundlichkeit ist Mangelware, Spaß machen darf ein solches Angebot offenbar auf keinen Fall. Und wenn man nach gefühlten 12.245 Klicks am Ziel ist, hat man vermutlich schon wieder vergessen, was man eigentlich wollte.