Der Wagniskapital-Investor rät im Interview mit dem Tagesspiegel dazu weniger auf die USA zu schauen und stattdessen eigene Marktführer zu kreieren.

Er ist einer der bekanntesten Wagniskapital-Investoren Deutschlands und wurde vor kurzem vom US-Magazin ´Forbes´ auf Platz drei der erfolgreichsten Investoren Europas gewählt: Klaus Hommels. Nicht nur deshalb hört die Start-up-Szene ganz genau zu, wenn Hommels der unter anderem Geld in Skype, Facebook und Spotify gesteckt hat, spricht.

Im Interview mit dem Tagesspiegel warnt der 50-Jährige jetzt vor einem „gigantischen digitalen Handelsdefizit“. Deutschland sei zwar Exportweltmeister in alten Industrien, doch hinsichtlich digitaler Gütern verzeichne man ein Handelsbilanzdefizit von 26 Milliarden Dollar. In ganz Europa seien es 68 Milliarden.

Mehr Mut zur eigenen Identität

Gefragt was man dagegen unternehmen solle, antwortet Hommels: „Wir brauchen mehr Selbstvertrauen und Mut zur eigenen Identität. Alles aus Amerika wird immer mit Hosianna begrüßt, eigene Firmen dagegen skeptisch beäugt.“ Man müsse sich nur Spotify und Zalando anschauen: „Wie lange hat das denn gedauert, bis die in der Öffentlichkeit die verdienten Meriten bekommen haben?“, so Hommels und warnt: „Zudem müssen wir gucken, dass die zarten Pflänzchen, die wir jetzt großziehen, nicht unter die Räder der Oligopolisten aus den USA kommen.“

Oft nur homöopathische Dosen investiert

Darum plädiert  Hommels vor allem dafür schneller selbst wieder Marktführer zu kreieren und kritisiert den fehlenden Mut gerade bei großen Unternehmen: „Ein Beispiel: General Motors war pleite und hat zwei Jahre später 500 Millionen in den Uber-Konkurrenten Lyft gesteckt. Da hätte doch Daimler mit 13 Milliarden Gewinn viel mehr in MyTaxi investieren können. Die haben am Anfang alles richtig gemacht, mit mehr Kapital hätte das eine Plattform werden können, die Europa dominiert. So werden oft nur homöopathische Dosen investiert.“