Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten die Gründer von Kiutra, Tomek Schulz, Alexander Regnat und Jan Spallek, an. Sie sorgen für die richtigen Temperaturen in den Rechnern von morgen. Wie urteilt Investor Lars Hinrichs?

Eine halbe Minute mit Investor Lars Hinrichs im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir sind der weltweit erste kommerzielle Anbieter einer Technik, die mithilfe von Magneten dauerhaft extrem niedrige Temperaturen nahe des absoluten Nullpunktes bei –273 Grad Celsius erreichen kann. So kalt muss es sein, um extrem empfindliche Sensoren, Quantencomputer und supersichere Quantenkommunikationstechnik betreiben zu können. Erst bei diesen Temperaturen hören Atome auf zu schwingen – und die Maschinen können ihre enorme Leistung ausspielen. Anders als klassische Kühlverfahren können wir auf das gefährliche und seltene Gas Helium 3 verzichten. Wir brauchen lediglich Strom. Dadurch wird unsere Technik massentauglich.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Bei unserer wissenschaftlichen Arbeitan der TU München haben wir unterschiedliche Kühltechniken genutzt. Manche nutzten Magnettechnik, konnten die Niedrigtemperaturen allerdings nur kurz halten. Das was ärgerlich. Also haben wir die Technik weiterentwickelt.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Unser erstes Gerät werden wir noch dieses Jahr ausliefern. Damit erwirtschaften wir bereits Gewinn. Und wir verhandeln mit weiteren Käufern – beispielsweise mit Hochschulen.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …zuverlässig und präzise wie bei Rolex.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Unser Team besteht nur aus Physikern, ist also noch sehr homogen.

Was war euer größter Rückschlag?
Wir haben unser Labor noch nicht abgefackelt, und es gab nur kleine technische Rückschläge. Kiutra gibt es aber auch erst wenige Wochen.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind wir der Standard, um Technik auf den Nullpunkt zu kühlen. Alle großen Namen im Quantencomputing und in der Quantenkommunikation stehen auf unserer Kundenliste.

Fakten zum Start-up

Kunden: Eine Hochschule. Verhandlungen mit weiteren potenziellen Käufern
Finanzierung: Start-up-Förderung von Bund und vom Freistaat Bayern
Gründung: 2018. Die Entwicklung der Technik seit 2016
Mitarbeiter: Acht. Inklusive der Gründer. Fünf Hilfskräfte

Würde der Profi investieren?

Idee: 5/5
Geschäftsmodell: 4/5
Timing: 5/5

„Exzellente Technik, für die ein riesiger Markt entsteht. Google, Amazon, Intel und Microsoft wollen dieses Jahr Quantencomputer vorstellen. Ich würde die Kühlgeräte aber vermieten statt verkaufen.“
Lars Hinrichs, Gründer des Karrierenetzwerkes Xing und Chef des Private Equity Fonds Cinco Capital