Bunte Stoffe, weiche Schnitte, knallige Farben – auf der Berlin Fashion Week zeigen große Marken, was gerade angesagt ist. Doch abseits des Laufstegs setzen Start-ups wie Kisura und Outfittery neue Trends in der Modebranche.

Berlin. Für welchen Anlass suchen Sie ein Outfit? Interessieren Sie sich für Schuhe? Absatz bis 5 oder bis 9 cm? Was möchten Sie auf keinen Fall in Ihrer Kisura-Box sehen? „Die Frage nach den modischen No-Gos ist bei einer Frau besonders wichtig“, sagt Gründerin Tanja Bogumil von der Shopping-Plattform Kisura.  Wie kleiden Sie sich in Ihrer Freizeit am liebsten? Freuen Sie sich auch über eine Handtasche? Wenn diese Fragen beantwortet sind, ist das Kisura-Profil ist erstellt. Anhand dieser und weiterer Informationen sowie nach einem Telefonat oder Skype-Chat stellt ein Stylist der Kundin nun ihr Outfit aus dem Portfolio von mehr als 200 Marken zusammen und schickt es zur Anprobe nach Hause.

Solche persönliche Beratung und Service waren lange dem stationären Handel vorbehalten und das Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz aus dem Internet. Das sogenannte Curated Shopping, wie das Verkaufskonzept von Kisura heißt, macht die Schlagworte auch online erlebbar; es zielt auf den Kunden, der beratungsbedürftig und gleichzeitig online-affin ist. „Als E-Commerce startete, ging es darum, Waren einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Jetzt in der nächsten Entwicklungsstufe geht es darum, den Kunden wieder in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt Bogumil.

So funktioniert Kisura

Während der stationäre Einzelhandel oft in den alten Bahnen agiert und die Konkurrenz aus dem Internet als Bedrohung der Einkaufskultur beschwört, denken gerade Gründer in neuen Geschäftsmodellen. Bei ihnen laufen die Grenzen nicht mehr zwischen online und offline; sie setzen die Prioritäten neu. Das zeigt sich auch auf der Berlin Fashion Week, auf der Hersteller noch bis zum 10. Juli ihre neusten Stoffe, Farben und Schnitte präsentieren: Auch in der Hauptstadt nutzen nicht nur altbekannte Marken den Laufsteg, sondern auch Start-ups und junge Unternehmen wie etwa Zalando.

Diese Entwicklung zeigt auch: Der E-Commerce lässt sich längst nicht mehr nur auf Onlineshops beschränken. „Gründer denken in anderen Prozessen“, sagt Hendrik Schröder, Professor am Lehrstuhl für Marketing und Handel an der Uni Duisburg-Essen. „Sie lösen die klassischen Prozesse auf und überlegen sich, wie sie bestimmte Leistungen anbieten können, dass ein Mehrwert geschaffen wird, den es bislang nicht gegeben hat.“ Als Beispiel nennt Schröder unter anderem das Onlineportal Mister Spex, das sich seit der Gründung 2007 als Marktführer am Online-Brillenmarkt etabliert hat.