Rund um den Betrieb von Autos entstehen auch für junge Unternehmen neue Marktchancen. Doch die Felder müssen sorgfältig gewählt werden, zeigt eine Studie.

Der Autoverkauf ist das eine – doch auch auf den Kilometern danach sorgen Fahrzeuge für Milliardenumsätze. Und hier könnten in Zukunft auch Start-ups und Tech-Unternehmen den etablierten Herstellern in die Parade fahren. Das zeigt zumindest eine aktuelle Studie der Unternehmenberatung McKinsey (hier geht es zum PDF).

Der sogenannte Aftersales-Markt, der unter anderem das Geschäft mit Ersatzteilen, Gebrauchtwagen und zusätzlichen Produkten für Autos umfasst, steigt in Europa von heute 242 Milliarden auf 295 Milliarden Euro bis 2030. Trotz des Wachstums könnte die Luft für viele etablierte Anbieter auf dem Markt jedoch dünner werden – auch weil junge Tech-Unternehmen angreifen: „Mitspieler mit digitalen Genen werden in den kommenden Jahren signigikant Marktanteile gewinnen“, schreiben die Berater in der Untersuchung, „Start-ups und bestehende Anbieter werden neue Rollen als Vermittler erfüllen, indem sie Möglichkeiten nutzen, Kunden und Dienstleistungen neu zu verbinden.“

Viel Weiterverkauf, weniger Werkstätten

Im Gebrauchtwagenmarkt ist dieser Verteilungskampf bereits im vollen Gange: Angreifer mit deutscher Basis wie Auto1 oder die Frontier Car Group konnten bereits hohe Millionensummen von Investoren einsammeln – die Geldgeber setzen darauf, dass sich eine nationale oder globale Marktmacht durchsetzen wird. Abracar als Vermittler erhielt zuletzt noch einen Schub von der Allianz.

Dabei sind nicht alle Bereiche auf dem Kfz-Aftersales-Markt gleichermaßen vielversprechend, ist in der Untersuchung zu lesen. Das klassische Werkstattgeschäft etwa könnte darunter leiden, dass Elektroautos aus weniger wartungsintensiven Komponenten zusammengebaut sind.

Manche Start-ups sehen in dem Bereich dennoch genügend Optimierungsbedarf und Wachstumspotenzial. Caroobi, ein digitaler Werkstattmarktplatz, hat etwa die Unterstützung von BMW und dem Investor Target Global – und will sich auch auf dem Ersatzteilmarkt weiter vorarbeiten. Dort haben Firmen wie der deutsche Anbieter kfzteile24.de bereits wichtige Marktanteile abgesteckt.

Software als Schnittstelle zum Kunden

Die Studienautoren vermuten etwa, dass insbesondere nah am Fahrzeug selbst viele Start-ups ihr Glück versuchen könnten. Dabei geht es darum, sich mit Dienstleistungen zwischen Autonutzer und Hersteller zu positionieren, etwa in der Form von Software.

Viel Potenzial gibt es bei Geschäftskunden: Beim Management von Fahrzeugflotten in Unternehmen ist bereits heute viel Technologie gefragt. Start-ups wie der Corporate-Mobility-Anbieter Azowo oder auch der Schweizer Flottenmanagement-Software-Hersteller BestMile mühen sich hier um Marktanteile. Für private Autonutzer könnten das etwa Autoclubs sein. Hier ist in Deutschland beispielsweise JimDrive mit einem Konkurrenzangebot zu etablierten Organisationen wie dem ADAC oder dem Verkehrsclub Deutschland unterwegs.