Der Sprung an den Kapitalmarkt ist für Start-ups viel Arbeit – rückt dennoch aktuell wieder mehr in den Fokus.  Nur die wenigsten haben aber konkrete Pläne.

Sechseinhalb Monate Arbeit allein für die Umstellung der Buchführung, Telefonkonferenzen am späten Samstagabend: „Es war insgesamt eine sehr intensive Arbeitsphase“, sagt César Flores Rodriguez. So resümmiert der Vertriebsvorstand des Cloud-Telefonieanbieters Nfon die Zeit vor dem Börsengang des Technologienunternehmens. Mitte Mai startete die Firma an der Börse, die Aktien bewegen sich aktuell mit 13 Euro ein gutes Stück über dem Ausgabekurs.

80 Millionen Euro sammelte das Unternehmen durch die Platzierung ein, 50 Millionen Euro davon blieben bei Nfon. Eine solche Summe, so räumt Flores Rodriguez ein, hätte man sicher auch über Risikokapitalgeber einwerben können. Doch das Start-up entschied sich bewusst für den Börsengang: „Langfristig hilft dieser Weg sicher, um auch mehr Geld aufnehmen zu können.“

Mit solchen Gedanken spielen jetzt wieder mehr Gründer: Laut einer Erhebung des Digitalverbands Bitkom denken in diesem Jahr 23 Prozent der deutschen Start-ups über einen Börsengang nach, um benötigtes Kapital zu erhalten. Diese Zahl schwankte zuletzt deutlich: Im vergangenen Jahr dachten nur 14 Prozent über einen Börsengang nach, 2016 waren es jedoch 38 Prozent.

Zwei Jahre Vorbereitung

„Ein Börsengang bedeutet für ein Start-up großen organisatorischen Aufwand und hohe Vorbereitungskosten. Ein solcher Schritt will reiflich überlegt sein“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Vertreter der Deutschen Börse schätzen den zeitlichen Vorlauf für solch einen Schritt auf etwa zwei Jahre, die letzten sechs bis neun Monate davon sind die besonders intensive Phase.

So weit wie Nfon sind aber die wenigsten: Gerade mal ein Prozent der 302 befragten Internet-Start-ups gab an, ganz konkret an einem Gang aufs Börsenparkett zu arbeiten. Die Zahl der erklärten Börsenverweigerer bleibt stabil: Etwa jedes siebte Start-up schließt wie auch in den Vorjahren diesen Schritt aus.

Durchaus neugierig blicken Start-ups dagegen auf die sogenannten Initial Coin Offerings (ICO), bei denen digitale Anteile oder Nutzungsrechte ausgegeben werden – in der Regel gespeichert und abgewickelt mit Hilfe der Blockchain-Technologie. Drei Prozent der befragten Jungunternehmen planen einen ICO, zwölf Prozent halten die Ausgabe eines handelbaren Coins in Zukunft für denkbar. Mehr als jedes dritte Start-up schließt das Verfahren, das aktuell noch überwiegend unreguliert vonstatten geht, für sich aus.