Die App Jodel ist so unnütz wie populär: Millionen Menschen schreiben und lesen dort anonym. Nun expandiert das deutsche Netzwerk in Frankreich und anderen Ländern.

Wer gerade sein Studium beginnt, dürfte bald von Jodel hören. Die App mit dem ungewöhnlichen Namen gehört derzeit zur digitalen Grundausstattung an den deutschen Universitäten. Das Prinzip: Nutzer können Beiträge veröffentlichen, die von allen anderen im Umkreis von zehn Kilometern gelesen werden können. Sie können die Sprüche kommentieren und bewerten, die populärsten Einträge werden so zuerst angezeigt. Oft sind es Kalauer, mit denen sich die Jodel-Nutzer in langweiligen Vorlesungen ablenken. Doch auch Neuigkeiten und Tipps zum Studentenleben innerhalb und außerhalb des Hörsaals werden verbreitet. Durch die Anonymität und regionale Begrenzung diskutieren die Nutzer andere Themen als auf Facebook oder Twitter.

US-Konkurrent Yik Yak, inzwischen mit mehr als 70 Millionen Dollar finanziert, schaffte anonyme Einträge nach Mobbingvorwürfen vor einigen Monaten ab. Bei Jodel können die Nutzer problematische Beiträge immerhin melden.

Jodel erobert nun auch Frankreich

Die App ist ebenso unnütz wie beliebt: Vor einem Jahr knackte Jodel die Zahl von einer Million Nutzern, die hat sich inzwischen vervielfacht. Genaue Zahlen will Gründer Alessio Borgmeyer nicht nennen. „Das baut nur unnötigen Druck auf“, sagt der 25-Jährige. „Wir wachsen mit der Geschwindigkeit, die wir für richtig halten.“

Dabei hat das Start-up längst international Erfolge. In Skandinavien ist die App bereits populär, nun expandiert Jodel nach Frankreich. „Wir gehen dort gerade eine Unistadt nach der anderen an“, sagt Borgmeyer, „in Bordeaux wird schon fleißig gejodelt.“ Wie einst bei Facebook oder StudiVZ bewerben Mitarbeiter den Dienst direkt auf dem Campus, um die Mundpropaganda zu starten. Mit der Strategie will Jodel weitere Länder erobern, kündigt Borgmeyer an. Kürzlich hat er Stellen für Spanien, Brasilien und Russland ausgeschrieben.

Bleibt bloß eine Frage: Wie will er mit dem Gejodel je Geld verdienen? Da hält sich Borgmeyer an die US-Vorbilder: Erst viele Nutzer gewinnen, die Monetarisierung folgt dann schon. So wie bei Snapchat: Der Dienst wurde lange belächelt, nun peilt er beim Börsengang eine Bewertung von 25 Milliarden Dollar an.

Steckbrief

Jodel
Gründer Alessio Borgmeyer
Gründung 2013, damals noch unter dem Namen tellM
Mitarbeiter 10
Sitz Berlin
Investoren Redalpine Venture Partners, Global Founders Capital, Christophe Maire, Felix Haas