Jochen Schweizer über die „Die Höhle der Löwen“ und warum Deals nach der Sendung noch scheitern können.

Zum dritten Mal schon sitzt Jochen Schweizer in der Jury der VOX-Sendung “Die Höhle der Löwen”. Der 59-jährige ehemalige Stuntman Jochen Schweizer ist selbst Gründer. Seine Jochen Schweizer Unternehmensgruppe beschäftigt heute über 500 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von über 85 Millionen Euro.

Von Kristin Haug

WirtschaftsWoche Gründer: Was macht einen guten Löwen aus?
Jochen Schweizer: Er hört zu, denkt nach, beurteilt und entscheidet auf Basis eines breiten Erfahrungsschatzes. Wichtig sind Wissen, analytisches Denken und ganz viel Gefühl.

Mehr als die Hälfte aller Deals kommt nach der Sendung nicht zustande. Warum?
Wenn ich 200.000 Euro investiere, dann nur unter der Bedingung, dass alles wahr ist, was die Kandidaten in der Sendung sagen. Dass sie nichts verschweigen, was den Wert ihres Unternehmens beeinträchtigt oder sogar mein Risiko erhöht.

Zum Beispiel?
Wenn die Gründer etwa ein Darlehen in Höhe von 300.000 Euro aufgenommen haben und meine 200.000 Euro erst einmal dazu nutzen wollen, die Schuld zu tilgen. Bei der Due Diligence, also der Risikoprüfung, entdecken wir oft auch Dinge, die den Gründern selbst nicht bewusst sind. Zum Beispiel wissen einige Unternehmer nicht, dass sie bestimmte Lizenzrechte unbedingt brauchen.

Über welchen Deal haben Sie sich bislang am meisten geärgert?
Lassen Sie uns lieber über Deals sprechen, die mir Freude bereiten.

Welche sind das?
Eine große Freude hat mir ein Deal bereitet, den alle anderen Löwen abgelehnt hatten. Zwei junge Reiseverkehrskaufleute stellten ein Portal für Erlebnisreisen vor – Hip Trips. Vural Öger (Juror in den ersten beiden Staffeln, Anm. der Redaktion) war davon überzeugt, dass es nicht funktionieren würde, weil sie kein Dynamic-Packaging-System hatten, also in Echtzeit keinen Zugriff auf alle verfügbaren Hotels und Flüge. Ich habe dennoch 150.000 Euro investiert, dann aber herausgefunden, dass Vural Öger in vielen Punkten Recht hatte.

Wie ging es weiter?
Ich habe weiter an die zwei Gründer geglaubt und mit ihnen so lange an dem Geschäftsmodell herumgeschraubt, bis es machbar wurde. Jetzt sehe ich mir mit Freude die Zahlen an. Die Gründer werden in diesem Jahr einen siebenstelligen Umsatz machen und profitabel sein. Und sie verfügen nun über ein Dynamic-Packaging-System. Sie können also jeden Flug und jedes Hotelbett in Echtzeit um mehr als 2500 Erlebnisse herum konfigurieren.

In der neuen Staffel gibt es mit Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel zwei neue Juroren. Wie war die Zusammenarbeit?
Sehr gut, weil das Profis sind. Aber ich werde den Pokerface-Augenaufschlag von Vural Öger vermissen.

Welcher Kandidat ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Eine Kandidatin, die eine Webseite und App vorgestellt hat, mit der man Hochzeiten planen kann. Sie war dabei so stark und emotional, das hat mich überzeugt. Und das sage ich, obwohl ich dem Heiraten immer kritisch gegenüber stand. Simone de Beauvoir sagte einmal, die Frau leide unter der Ehe. Entweder weil sie verheiratet ist oder weil sie nicht verheiratet ist. Und ich will ja nicht, dass Frauen leiden, deswegen habe ich nie an diese Art Geschäftsmodell geglaubt. Aber die Kandidatin hat mich eines Besseren belehrt.

Wie sollten sich Gründer auf einen Pitch vorbereiten?
Sie müssen ihren Pitch so lange üben, bis sie ihn im Traum erzählen können. Sie müssen auf alle Fragen schnell und präzise antworten. Wer es richtig ernst meint, sollte den Pitch durchspielen. Es gibt sogar Gründer, die stellen sich zu Hause die fünf Stühle der Löwen hin, lassen ihre Freunde darauf Platz nehmen und sich dann zu ihrem Produkt kritisch befragen.