Junges Team, kreative Arbeitsatmosphäre und eigene Verantwortung von Anfang an – das zeichnet Jobs in der Start-up-Branche angeblich aus. Aber wie kommt man an die begehrten Stellen?

Von Louisa Riepe

Ob Key Account Manager, User Interface Designer oder Software Engineer – die Start-up-Branche hat enormen Personalbedarf. Im Schnitt schafft jede Gründung etwa 17,6 neue Arbeitsplätze, ergab der Deutsche Start-up Monitor 2015. Und die Jobs sind begehrt, denn die jungen Unternehmen setzen auf kreative Köpfe und das Potenzial junger Absolventen. Wer sich einen Job sichert, der kann vom Know-How in Sachen Digitalisierung und vom ansteckenden Poiniergeist profitieren.

Doch vor dem attraktiven Job steht zunächst die Bewerbung – und die muss nicht grundsätzlich anders sein als bei einem etablierten Unternehmen, sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit: „Aber es ist schon etwas Individualität gefragt, es sollte keine normale Bewerbung sein.“

Ein Beispiel ist ihm im Kopf geblieben: Ein Bewerber hatte sein Anschreiben in einem eigens angefertigten, feinmechanischen Teil versteckt. Eine Arbeitsprobe, die Erfolg hatte, sagt Ebsen: „Man darf da schon etwas Kreativität zeigen. Das beginnt beim Portraitfoto – und reicht bis zur Formulierung im Anschreiben.

Die Jobbörse der Arbeitsagentur kann ein erster Anlaufpunkt sein, um sich über offene Stellen in Start-ups zu informieren. „Da werden zum Beispiel Ingenieure oder Techniker gesucht“, sagt Ebsen, „schließlich überlegen sich die Start-ups auch, welche Bewerber sie bei uns ansprechen können.“

Daneben gibt es im Internet zahlreiche Portale, in denen Jobangebote gelistet werden. Startupsucht.com und gruenderluft.de sind nur zwei Beispiele. Gerade größere Start-ups informieren auch auf ihrer eigenen Internetseite, wenn sie Personalbedarf haben.

Zum Beispiel bei Foodora. Der Lieferservice aus Berlin wächst ständig und baut deshalb auch sein Team mit über 5000 Mitarbeitern weltweit aus. Aktuell sind auf der Website mehr als 60 offene Stellen ausgeschrieben – vom Praktikanten bis zum Senior Global Project Manager. Geschäftsführer Julian Dames erklärt den enormen Personalbedarf so: „Im Gegensatz zu E-Commerce Start-ups ist unser Geschäft sehr lokal. In allen Städten, wo wir aktiv sind, brauchen wir Ansprechpartner vor Ort.“

Dames beobachtet auf dem Arbeitsmarkt einen zunehmenden Wettbewerb um die besten Bewerber. „Wir haben schon gemerkt, dass die Gehälter gestiegen sind und Bewerber mehr Geld verlangen.“ Gerade in den Bereichen Online-Marketing und Website-Entwicklung seinen gute Bewerber rar. Die Universitäten bilden gerade in diesem Bereichen kaum aus, das Know-How müssen sich die Arbeitskräfte selbst erarbeiten.

Neben der fachlichen Qualifikation sind Dames vor allem zwei Dinge wichtig: unternehmerisches Denken und Teamgeist. „Jeder soll dazu beitragen, dass wir uns weiter verbessern. Da darf man dann auch nicht nur auf sich selbst schauen, sondern muss auch mal den Tischnachbarn unterstützen. Wir sind schließlich alle Foodora.“ Außerdem sollten sich die potenziellen Angestellten mit dem Geschäftsmodell des Start-ups auseinandersetzen.

Denn da bestehen einige Unterschiede zu etablierten Unternehmen, sagt auch Martina Weiner. Sie ist Geschäftsführerin der Berliner Personalberatung i-Potentials und vermittelt Arbeitskräfte in die Digitalwirtschaft. „Es ist viel Eigenverantwortung gefragt, das ist ein Learning on the Job. Und das gilt für den Praktikanten genauso wie für den Abteilungsleiter.“

Gerade jungen Absolventen rät sie deshalb, „erst mal ein Praktikum in einem Start-up zu machen. Die Branche ist nichts für jeden.“ Durch den ersten Kontakt kann sich dann auch schnell eine längerfristige Arbeitsbeziehung ergeben.

Denn gerade im Start-up-Bereich sind Referenzen und ein gutes Netzwerk für die Jobsuche wichtig: „Die Personaler rufen dann tatsächlich beim Praktikumschef  oder beim ehemaligen Professor an und fragen nach. Zeugnisse und Lebenslauf sind weniger wichtig“, sagt Weiner. Außerdem sollten Bewerber im Internet aktiv auf sich aufmerksam machen, um von Recruitern gefunden zu werden: „Ich kann nur empfehlen, das Profil bei LinkedIn und Xing zu pflegen. Dort werden Absolventen direkt angesprochen.“

Aber selbst wenn es mit der Bewerbung geklappt hat, kann man sich in einem Job in der Start-up-Branche nie sicher sein, sagt Paul Ebsen von der Arbeitsagentur: „In der Regel werden Neueinsteiger erst mal befristet angestellt, für ein bis zwei Jahre. Und dann wird je nach wirtschaftlicher Situation des Unternehmens verlängert oder eben nicht.“ Um herauszufinden, wie sicher der Job in einem Start-up ist, sollte man sich laut Ebsen also gut informieren. „Wenn die Firma schon Absatzschwierigkeiten hat oder es sonst gravierende Probleme gibt, würde ich davon abraten.“

Auch Martina Weiner weiß: Von zehn Gründungen überleben im Schnitt nur drei. Trotzdem sieht sie die Jobsicherheit in der Start-up Branche gelassener: „Sobald ein Start-up Leute entlässt, werden die von den anderen gerne aufgenommen.“ Es gibt derzeit einfach zu wenige Arbeitnehmer mit Digitalkompetenz und Analysefähigkeiten. Deshalb ist sich Weiner sicher: Mit einigen Jahren Berufserfahrung im Start-up Bereich hat man eine gute Jobperspektive – auch in etablierten Unternehmen.