Preise für Beteiligungen und Übernahmen sind für Außenstehende oft ein Rätsel. Eine Studie zeigt: Auch Investoren sind noch häufig verunsichert.

15 Milliarden US-Dollar Kaufpreis für ein Unternehmen mit 350 Millionen US-Dollar Umsatz: Über den Kauf des digitalen Automobilzulieferers Mobileye durch Chiphersteller Intel vor wenigen Wochen staunte die Tech-Branche weltweit. Aber: Immer wieder kommt es bei der Übernahme von gehypten Start-ups durch etabliertere Konzerne zu Bewertungen, die sich nach den traditionellen Regeln des Beteiligungs- und Übernahmegeschäfts (M&A) kaum erklären lassen. Eine Umfrage der Beratung Bain & Company (PDF) unter europäische M&A-Managern zeigt jetzt: Auch die Geldgeber sind bei diesen neuen Deals noch verunsichert.

Denn bei der Bewertung von Start-ups gelten neue Regeln, für die in den meisten Fällen noch die Erfahrungswerte fehlen. Gerade einmal elf Prozent der befragten M&A-Manager attestieren sich selbst ein ausreichendes Wissen, wenn es um den Erwerb von Digitalunternehmen geht, zeigt die Bain-Studie. Schwer zu bewerten sind etwa Kennzahlen wie die Nutzerschaft eines Portals, die in Zukunft vielleicht monetarisiert werden könnte, zum Zeitpunkt der Übernahme jedoch keinen Gewinn abwirft.

Börsenbonus für die Digital-Initiative

Eine sorgsame Prüfung, wie sich eine Übernahme in Zukunft rechnen kann, ist daher wichtig: „Hier sind die Regeln der Schwerkraft keineswegs außer Kraft gesetzt, auch wenn der eine oder andere Verkäufer das gegenwärtig so suggerieren möchte”, sagt Martin Holzapfel, Partner bei Bain & Company und Leiter der Praxisgruppe M&A im deutschsprachigen Raum.

Start-ups, die mit hohen Preisvorstellungen und niedrigen Umsätzen in mögliche Exit-Gespräche gehen, müssen daher gute Argumente mitbringen – und dafür die Perspektive des Käufers einnehmen. So könne es hilfreich sein, den Preis für den potenziellen Start-up-Zukauf nicht völlig isoliert zu betrachten, fügen die Berater hinzu: „Der Kapitalmarkt honoriert den Auf- und Ausbau digitaler Geschäftsmodelle”, sagt Wilhelm Schmundt, Partner bei Bain & Company und Leiter der Praxisgruppe Corporate Finance.