Philipp Rösler und ein Airbus voller Internet-Gründer sind unterwegs ins Silicon Valley. Die Jungunternehmer versprechen sich von dem viertägigen Kurztrip Kontakte, Ideen und Geld; der Politiker hofft auf Impulse und gute Werbung für die deutsche Startup-Szene.

Wer junge Unternehmensgründer einlädt, der muss eigentlich nichts weiter tun, als Kaffee und Bier hinstellen, und schon geht es los: Visitenkarten werden gewechselt, Neuigkeiten ausgetauscht, Ideen vorgestellt, gemeinsame Projekte angebahnt. So auch am Sonntagabend am Militärflughafen in Berlin-Tegel: Vor dem Eingang und in der kleinen Wartehalle bilden sich Trauben von Jungunternehmern. Wer sich noch nicht kennt, lernt sich schnell kennen. Dann noch schnell ein paar Gruppenfotos mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der die Delegation anführt, bevor der A340 der Luftwaffe in den Berliner Abendhimmel startet. Ziel: San Francisco und das Silicon Valley – Heimat von Konzernen wie Apple, Google und Facebook, von ungezählten Startups und von potenten Geldgebern, die aus den Startups noch mehr Konzerne machen wollen.

Dass dieser Erfolg auf Deutschland abfärbt wäre ganz im Sinne von Philipp Rösler: Der Politiker will die Reise nutzen, um für die deutsche Startup-Szene zu werben und amerikanische Investoren nach Deutschland zu locken. Sie sollen dazu beitragen die Zahl der IT-Neugründungen in Deutschland bis 2020 verdoppeln und die Menge des Risikokapitals verdreifachen. Das sind große Ziele in einem Land, dessen Gründerintensität im internationalen Vergleich seit Jahren hinterher hinkt, dessen High-Tech-Gründer zuletzt eher weniger wurden als mehr und in dem Wagniskapital eher knapp ist und Geldgeber eher vorsichtig sind.

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Für den FDP-Politiker ist der Viertagetrip die logische Fortsetzung einer Strategie, die sich sein Ministerium seit zwei Jahren auf die Fahnen geschrieben hat: Rösler will mehr für Startups tun, vor allem IT-Startups. Das Ministerium hat den High-Tech-Gründerfonds neu aufgelegt und jüngst einen Investitionszuschuss durchgesetzt, der Investoren unter die Arme greift, die mit hohem Risiko in kleine Unternehmen investieren. Rösler war im Februar zum ersten Mal im Silicon Valley, als womöglich erster deutscher Wirtschaftsminister, und jetzt fliegt er schon wieder hin. Immer wieder führt er jetzt Gespräche mit Gründern auf Messen und Gründerkonferenzen; außerdem hat sein Ministerium einen Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ gegründet.

Philipp Rösler hat mit dem Gründerthema eine Marktlücke in der deutschen Wirtschaftspolitik entdeckt und fast schon aggressiv besetzt. Und auch wenn beim Besuch im Valley weder Marc Zuckerberg noch Larry Page persönlich für ihn Zeit haben: Schöne Bilder im Kreise junger Gründer wird der Besuch bei Unternehmen wie Facebook und Google sowie an der renommierten Stanford University hergeben.

Für die Gründer geht es um mehr. Mit an Bord des Startupfliegers ist zum Beispiel Stephanie Renda, Gründerin des Mainzer Startups Match2Blue. Das Unternehmen entwickelt Empfehlungssysteme und Apps für Smartphones – „klingt nerdy, ist nerdy“, sagt Renda. Rund 30 Entwickler arbeiten bereits für das junge Unternehmen. Und Match2Blue soll weiter wachsen: Am Dienstag wird Renda vor Risikokapitalgebern aus der Bay Area „pitchen“, also ihre Idee vorstellen. Ein paar Minuten hat sie Zeit, die Investoren zu überzeugen – im Idealfall erhofft sie sich davon mehrere Millionen Dollar Wachstumskapital für ihr Unternehmen.

Andere Gründer versprechen sich von der Reise die ersten Kontakte zum US-amerikanischen Markt. Tom Kirschbaum etwa vom Berliner Startup Waymate, das eine App entwickelt hat, mit der sich Reisen schnell und einfach planen lassen. Oder Jörg Bienert vom Kölner Unternehmen ParStream, dessen Technologie riesige Datenbanken in Sekundenschnelle durchforsten kann. „Wir wollen den amerikanischen Markt erobern“, sagt Bienert zuversichtlich.
Auch von der Startupkultur im Valley wollen sich die Gründungsreisenden inspirieren lassen: Andreas Richter vom Unternehmen Plista will sich ein Bild davon machen, wie auf dem Campus von Facebook die kreativen Spielecken gestaltet sind. Und Markus Müschenich, Gründer der „Startup-Manufaktur Flying Health“, will mehr darüber erfahren, welche Gesundheitsangebote bei Google erdacht werden. Und natürlich wollen alle Kontakte sammeln, „den Spirit im Silicon Valley spüren“ (Renda) und „diesen Spirit nach Deutschland holen“ (Bienert).

Selbst wenn das am Ende nicht wie erhofft klappen sollte – ein riesiger Netzwerkevent ist die Reise auf jeden Fall. Kaum hat der Flieger in Berlin abgehoben stehen die Gründer im Gang und reden weiter. Und in San Francisco angekommen, nach zwölf Stunden Flug, gibt es erstmal „Whiskey and Cigars“ auf einer Dachterrasse mit Blick auf die leuchtende Stadt. Hier oben warten schon weitere 45 Startup-Unternehmer aus Deutschland, die kurzerhand mit einem Linienflug angereist sind – weil der Regierungsflieger voll war.


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