Start-ups sind als digitale Helfer bei den traditionellen Konzernen der Branche gefragt. Noch halten sich aber viele der Anbieter bei Kooperationen zurück.

Mancher Geist ist willig, aber die Technik ist schwach: Die Versicherungsbranche, heute oft noch mit jahrzehntealter IT ausgestattet, steht vor großen Umstellungen – und Start-ups aus und für die Branche könnten dabei in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung Bearing Point (hier geht es zum PDF).

Die Befragung zeigt, wo den Versicherungskonzernen heute besonders der Schuh drückt – und wo Start-ups ihre Chancen entdecken könnten. Jeder zweite befragte Versicherer plant, neue Absatzkanäle wie Social Media für sich zu erschließen. Und mehr als jede dritte Assekuranz prüft, in wie weit Robotik und künstliche Intelligenz helfen können, um Teile der Arbeit zu automatisieren.

61 Prozent der 30 befragten IT-Verantwortlichen aus großen Versicherungskonzernen im deutschsprachigen Raum streben dabei eine Zusammenarbeit mit sogenannten Insurtechs an. Erst 13 Prozent der Konzerne sind jedoch heute schon in einer solchen Kooperation. „Die Versicherungen haben viele aktuelle Trends und Technologien wie zum Beispiel einen steigenden Integrationsbedarf, Outsourcing oder Analytics bereits erkannt, es mangelt aber vielfach noch an der Umsetzung“, sagt Achim Nogli, Partner bei Bearing Point.

Branche ist gespalten

Einige Banken haben sich dagegen bereits in den Versicherungsmarkt vorgetastet. Beispiele für bekannt gewordene Kooperationen sind etwa die Partnerschaften des Robo-Advisers von Clark mit Ing-Diba, PSD Bank Hannover und N26. Solche Partnerschaften, mit oder ohne direktem Kundenzugang, häufen sich bei Banken zuletzt. Dagegen drängten einige Insurtechs in jüngster Vergangenheit direkt auf den Endkundenmarkt: Coya und Wefox gehörten zu den Start-ups, die eigene Angebote ankündigten.

Die traditionelle Versicherungsbranche ist unterdessen noch gespalten, wie und wann die Zusammenarbeit mit Start-ups erfolgen soll. Die eine Hälfte der Versicherer will Unterstützungsprogramme wie Acceleratoren für Gründer einführen oder hat sie bereits im Einsatz, die andere Hälfte will auch dauerhaft auf solche Instrumente verzichten. Die Bearing-Point-Autoren raten dagegen dringend dazu, solche Schritte anzugehen: „Die Zukunft ist digital und aus unserer Sicht kann nur gewinnen, wer dies früh erkennt und vor allem auch umsetzt.“