Laut einer aktuellen Studie haben deutsche Start-ups im Bereich der Versicherungstechnologie 2017 insgesamt knapp 60 Millionen Euro eingesammelt.

Im April erhielt der Berliner Online-Makler Getsurance zwei Millionen Euro, vier Millionen waren es im Mai bei der Münsteraner Gewerbeversicherungs-Plattform Bisure, im August bekam der Sachversicherer Coya mit einer Anschubfinanzierung von 8,5 Millionen. Die Beispiele aus dem vergangenen Jahr zeigen: Zunehmend drängen Start-ups auf den angestaubten Versicherungsmarkt – und können Geldgeber von sich überzeugen. Insgesamt haben sogenannte Insurtechs in Deutschland im vergangenen Jahr knapp 60 Millionen Euro von Investoren eingeworben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung des Münchener Online-Maklers Finanzchef24.

Die Studie offenbart aber auch: Das Ringen um Geldgeber wird anspruchsvoller. Denn das Gesamtvolumen der Investitionen ist leicht rückläufig. So floss 2016 noch Wagniskapital in Höhe von 66 Millionen Euro – die Zahl der aktiven Insurtechs steigt aber weiter an. „Durch ihren Innovationsvorsprung werden Insurtechs gerne als die Angreifer bezeichnet“, sagt Benjamin Papo, Geschäftsführer von Finanzchef24. „Halten können sich jedoch nur solche Start-ups, die ihre Vision und ihr Geschäftsmodell nachhaltig in die Wertschöpfungskette des Marktes integrieren können.“

Den Erhebungen zufolge bietet eine wachsende Zahl von Newcomern eigene Versicherungen an. Aktuell gibt es demnach 25 Start-ups, die digitale Direktversicherungen anbieten. 2016 waren es erst acht. Das Geschäftsmodell lockt auch Wagniskapitalgeber – Beispiel Ottonova: Noch vor dem Start im Sommer haben Investoren dem privaten Krankenversicherer 40 Millionen Euro überwiesen. In Deutschland, Großbritannien und den USA haben Start-ups in diesem Segment über 540 Millionen Euro eingeworben.

Beliebte Vergleichsplattformen

Ein weiteres Wachstumsfeld ist der Markt für B2B-Lösungen. Laut Finanzchef24 gab es 2017 sieben Neugründungen mit der Ausrichtung auf Gewerbekunden. Ein anhaltend hohes Wachstum bescheinigt Finanzchef24 Insurtechs, die Software für Versicherer und Makler anbieten. Mit 19 abgeschlossenen Finanzierungsrunden in Deutschland, Großbritannien und den USA belaufe sich hier die Gesamtinvestition auf über 97 Millionen Euro. Beliebt bleiben zudem Vergleichsplattformen: In den drei untersuchten Ländern wurden Investitionen von über 150 Millionen Euro getätigt.

Dass der Versicherungsmarkt mehr Gründer denn je anlockt, bestätigt eine im Dezember veröffentlichte Erhebung der Strategieberatung Oliver Wyman und die Policen Direkt-Gruppe. Demnach hat sich die Zahl der Insurtechs in Deutschland zwischen Mitte 2016 und Ende 2017 mehr als verdoppelt. Die Autoren warnten deswegen schon vor drohenden Personal- und Finanzierungsengpässen.