In München steigt der Pharmariese Roche als strategischer Partner in den Insurtech-Hub ein. Beide Seiten erhoffen sich frische Impulse durch die Öffnung des Ökosystems.

Der Pharmakonzern Roche wird strategischer Partner des Insurtech Hubs München (ITHM), wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfahren hat. Damit erweitert sich der Partnerkreis erstmals um einen bedeutenden Unterstützer aus einer anderen Branche neben der Assekuranz.  „Versicherung ist die klassische Querschnittsbranche“, sagt ITHM-Vorstandsmitglied Johannes Wagner, „daher bieten Impulse von außen und eine branchenübergreifende Zusammenarbeit großes Potenzial.“

Die Standorte der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Digital Hub Initiative sind quer durchs Land verteilt und sollen vor Ort Konzerne, Mittelstand und Start-ups in ihren Digitalisierungsbemühungen vernetzen. Aufgeteilt sind sie nach Branchen, jeder Standort sucht sich sein eigenes Netzwerk an Unterstützern und Strategien, um das zu erreichen.

In München liegt der Schwerpunkt ganz allgemein auf der Versicherungsbranche – im ersten Jahr des Bestehens des ITHM ist so ein Netzwerk von 25 Start-ups entstanden, die sich teils direkt an den Versicherungskunden, teils an Versicherungen richten. In zwei Acceleratorenprogrammen werden Start-ups gefördert, ausgestattet mit Marketingleistungen und Büroinfrastruktur.

Roche rotiert in der Start-up-Welt

Der Schweizer Pharmakonzern Roche, der alleine in Deutschland 16.000 Mitarbeiter beschäftigt, stellt jetzt eine nicht genannte Summe zur Verfügung, um sich näher mit den Start-ups am Münchener Standort zu vernetzen. Zur Motivation gehört auch die Erkenntnis, dass sich der eigene Kernmarkt in Zukunft deutlich verändern wird. Der Konzern ist unter anderem an verschiedenen Start-ups direkt beteiligt (wie etwa dem deutschen Curetis) und hat zudem eigene Acceleratorenprogramme gestartet.

Dazu kommt jetzt noch das Investment mit dem Insurtech-Hub. Man gehe bewusst Partnerschaften mit Unternehmen auch aus dem Bereich „Health IT“ ein, sagt Hagen Pfundner, Vorstand von Roche Pharma, gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. „Wir sehen in einer datengestützten Gesundheitsversorgung enorme Potenziale, um Patienten noch individueller zu behandeln und den Versorgungsalltag zu verbessern.“ Der digitale Gesundheitsmarkt – von der Biotechnologie über die Telemedizin bis zur eigenständigen Krankenversicherung – hat in den vergangenen Monaten in Deutschland deutlich an Fahrt aufgenommen.

Weitere Außenseiter erwünscht

Für den ITMH bedeutet die strategische Partnerschaft nun eine erste Erweiterung des Fokus. Im Beirat des Insurtech-Hubs sind aktuell aus dieser Welt unter anderem die Allianz, Generali Deutschland oder HUK Coburg vertreten. Die sogenannten „alten Player“ aus der Versicherungsbranche, so Wagner, seien aufgrund ihrer Kunden, Kompetenz und Erfahrung weiterhin wichtig.

„Aber um tragende Innovationen zu schaffen, ist heute eine Industriekonvergenz und der ‚Blick über den Tellerrand‘ wichtig“, sagt Wagner. Darum soll der Einstieg von Roche auch nur der Beginn einer weiteren Öffnung sein: Partnerschaften mit „Schlüssel-Akteuren aus dem Gesundheitswesen, der Mobilitätsindustrie“ seien etwa für den Insurtech-Hub sehr spannend, so Wagner zu WirtschaftsWoche Gründer.