Mehr als 82 Millionen Dollar flossen im Jahr 2016 in den digitalen Versicherungsmarkt in Deutschland. Diese fünf Insurtech-Start-ups haben das größte Potenzial.

Insurance Technology (InsurTech), also Versicherungsdienste mit digitaler Technologie, haben 2016 mehr als doppet so viele Investorengelder eingesammelt wie im Jahr davor. Insgesamt flossen über 82,4 Millionen Dollar in den digitalen Versicherungsmarkt in Deutschland. Das zeigt eine neue Studie des digitalen Versicherungsmaklers Finanzchef24.
Der Markt ist sehr dynamisch: Mitte Januar richteten die führenden Insurtech-Unternehmen einen gemeinsamen Appell an die Politik, um für ihre Branche zu werben. Und Allianz X, die neue Start-up-Abteilung des Versicherungskonzerns Allianz, startet dieses Jahr mit 430 Millionen Euro, um neue Insurtechs zu züchten.

Hier sind die fünf vielversprechendsten Unternehmen auf dem Markt:

1. Clark: eine App, sie alle zu verflechten

Clark ist eine Smartphone-App zur digitalen Verwaltung von Versicherungen. Erst 2015 gegründet, schloss das Berliner Unternehmen im August 2016 eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 13,2 Millionen Euro ab. Das Unternehmen analysiert die Versicherungssituation seiner Kunden per Algorithmus und schlägt Verbesserungen vor. Dafür vergleicht es nach eigenen Angaben die Angebote von 160 Versicherungsunternehmen.

2. FinanceFox: Beratung für den nächsten Versicherungsvertrag

Das deutsch-schweizerische Start-up bietet eine Plattform, auf der die Kunden ihre Versicherungen überblicken und neue Verträge abschließen können. Dafür wirbt die Firma mit „anbieterneutraler Beratung“ durch einen persönlichen Betreuer. Im Herbst 2016 sammelte FinanceFox 28 Millionen Dollar Wagniskapital ein. Die Firma mit Sitzen in Zürich, Berlin und Barcelona beschäftigt mehr als 80 Mitarbeiter.

3. Friendsurance: Guten Freunden gibt man eine Versicherung

Im Vergleich zu den Wettbewerbern ist das Berliner Start-up schon länger im Geschäft: Friendsurance wurde 2010 gegründet und ermöglicht Nutzern, welche die gleiche Versicherungsart haben – zum Beispiel Hausrat – sich zu Gruppen von ungefähr zehn Leuten zusammenzuschließen. Bei kleineren Schäden zahlt die Gruppe, bei größeren Schäden springt die individuelle Versicherung ein. Wenn in der Gruppe im Laufe des Jahres kein Schaden entsteht, bekommt jeder einen Teil aus dem Topf als Bonus zurück.
Außerdem verdient Friendsurance Geld als Versicherungsmakler. Dem chinesischen Multimilliardär Li Ka-shing gefällt das: Er beteiligte sich im März 2016 als Hauptinvestor an einer 15 Millionen-Finanzierung.

4. Knip: Makler mit Algorithmus im Blut

Das Start-up mit Sitz in Berlin, Zürich und Belgrad wirbt Kunden damit, dass sie innerhalb einer Minute zur passenden Berufsunfähigkeitsversicherung gelangen. Der digitale Versicherungsmakler hat schon mehr als 18 Millionen Dollar Wagniskapital eingesammelt und verfügt mit Dennis Just über einen angriffslustigen Geschäftsführer, der sich gerne in einem offenen Brief mit der gesamten „alten“ Versicherungsbranche anlegt.

5. Ottonova: Die erste digitale Krankenkasse

Bisher hält das Team um Geschäftsführer Roman Rittweger die Mission noch relativ geheim, aber klar ist: Das Münchner Unternehmen will dieses Jahr Deutschlands erste rein digitale Krankenversicherung werden. Mit wenigen Klicks sollen Kunden per App einen privaten Krankenschutz abschließen können. Nicht nur die Medien, auch Investoren feiern das Start-up: Nach einer millionenschweren Finanzierung von Holtzbrinck Ventures wartet Ottonova aktuell auf die Zulassung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Schon jetzt hat das Team mehr als 25 Mitarbeiter.
Entscheidend für den Erfolg ist die Frage, ob Versicherte Lust haben, Details über ihr Wohlbefinden digital zu teilen. Bei der jungen Generation scheint das kein Problem zu werden: Zwei Drittel der U30-Jährigen können sich vorstellen, ihre Gesundheitsdaten per Smartphone-App direkt an ihre Versicherung weiterzuleiten. Das zeigt der „Gesundheitsreport 2016“ der Finanzberatung MLP.