Das Wiener Start-up ist auf Navigationslösungen für Innenräume spezialisiert – und nimmt damit vor allem Industrieunternehmen und Flughäfen ins Visier.

Als Wegweiser unter freiem Himmel oder im Auto sind Smartphones längst etabliert – Apps wie Google Maps sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Anders sieht das in Flughäfen oder in Werkshallen aus: Wo keine GPS-Daten empfangen werden können, müssen sich auch Smartphone-Junkies bislang meist auf analoge Karten und ihren Orientierungssinn verlassen. Abhilfe verspricht Insider Navigation: Das Wiener Start-up arbeitet an Navigations-Apps, die Nutzer auch in Gebäuden den Weg zeigen. Die Besonderheit: Die Navigationsanweisungen werden in Livebilder der Umgebung, die die Smartphone- oder Tablet-Kamera liefert, eingeblendet. „Augmented Reality“ (erweiterte Realität) heißt die Technologie im Fachjargon.

Von seinem Ansatz hat das 2014 von Clemens Kirner gegründete Start-up für Probeeinsätze bereits mehrere Flughäfen und den Autobauer Volkswagen überzeugt. Auch auf Investorenseite geht es nun voran: Wie Insider Navigation heute mitteilte, hat das Unternehmen in einer aktuellen Finanzierungsrunde über eine Millionen Euro eingeworben. Daran war neben dem Bestandsinvestor Merit Immobilienmanagement auch Innogy über seinen „Innovation Hub“ beteiligt.

Für den Essener Energiekonzerns hat die Beteiligung auch eine strategische Dimension, hebt Patrick Elftmann vom Innogy Innovation Hub in der Mitteilung hervor. Augmented Reality ermögliche neue Wege der Kommunikation und habe das Potenzial, Kosten zu reduzieren. „So können beispielsweise Abläufe innerhalb eines Kraftwerks und im Netzbetrieb digitalisiert und optimiert werden“, kommentierte Elftmann.

Fokus auf B2B-Lösungen

Tatsächlich zielt Insider Navigation mit seinen derzeit 16 Mitarbeitern aktuell stark auf das B2B-Geschäft. Dabei geht es indes weniger darum, Mitarbeiter den Weg durch Produktionshallen zu weisen. Im Vordergrund steht vielmehr, nützliche Informationen an der passenden Stelle anzuzeigen. Im Demonstrationsvideo zu einem Projekt im VW-Werk Bratislava sieht man etwa, wie eine virtuelle Montageinheit oder in der Wand verlegt Leitungen in das Kamerabild integriert werden.

Einen weiteren Vorteil der Technologie zeigen die Navigationslösungen für Flughäfen: Nutzer können über den Smartphone-Bildschirm mit der Umgebung interagieren. So ließen sich beispielsweise auf dem Weg zum Terminal Sonderangebot von Ladengeschäften einblenden. Das Unternehmen betont, dass seine Plattform unabhängig von einem bestimmten Betriebssystem funktioniert – und keine weitere Hardware wie Bluetooth-Sender notwendig sind.

Dass sowohl Apple als auch Google Augmented Reality (AR) als Wachstumsfeld erkannt haben und App-Entwicklern neue Schnittstellen bereitstellen, dürfte dem Start-up dennoch in die Hände spielen. Einen großen Schritt voran kommen wird AR Experteneinschätzungen dann, wenn sich Datenbrillen auf dem Markt durchsetzen – und man nicht mehr mit ausgestrecktem Arm das Smartphone halten muss. Der Hype um Pokemon-Go 2016 zeigte indes, dass AR auch jetzt schon Nutzer begeistern kann. Für Start-ups ergeben sich in dem Feld viele Chancen, analysierte Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Digitalverband Bitkom, damals in seiner Kolumne für WirtschaftsWoche Gründer.