Innovation ist der Motor der Start-up Welt – aber nicht immer ist nur der erfolgreich, der als Erster auf den Markt kommt. 

Von Louisa Riepe

 Als Student musste Moritz Rappold besonders auf sein Geld achten. Der Gang zum Augenoptiker fiel dem Brillenträger daher besonders schwer. Wenn sich sie Sehstärke ändert, kommen allein für ein paar neue Brillengläser schnell ein paar hundert Euro zusammen. 

Aus der Not entstand eine Geschäftsidee: Könnte man die Preise nicht drücken, wenn man die Brillengläser über das Internet verkauft? Doch nach einer kurzen Google-Recherche stellte Rappold zunächst ernüchtert fest: Jemand anderes verdient mit der Idee bereits gutes Geld.

Dieser jemand heißt Jascha Chong Luna und war 2012 der erste, der sich auf den Online-Handel mit Brillengläsern spezialisierte. Bis heute ist sein Start-up „Eyeglass24“ Marktführer in dem Bereich, sagt Co-Founder und Head of Business Development Felix Zenth

Das Geschäftsmodell ist einfach: Kunden können sich in ihre Brillengestelle neue Gläser einsetzen lassen, zum Beispiel wenn die im Alltag verkratzt sind oder sich die Sehstärke geändert hat. Auf der Website können sie sich durch einen einfachen Konfigurator klicken, dann muss das alte Brillengestell nur noch eingeschickt werden. 

Innerhalb von zwei bis drei Werktagen kommt die fertige Brille zurück, der Service liegt bis zu 70 Prozent unter der Preisempfehlung der Hersteller, verspricht Eyeglass24.

Die Nische ist groß genug

Das geht nur, weil das Unternehmen als Onlinehändler Kostenvorteile gegenüber dem Handel hat: Keine Ladenmiete, geringere Personalkosten und höhere Stückzahlen. „Wir geben diesen Kostenvorteil in Form von günstigen Preisen an unsere Kunden weiter“, sagt Felix Zenth. Besonders die Zielgruppe der 30- bis 60-Jährigen schätze das Angebot, denn sie sind „weniger fashionaffin als unter 30-Jährige, aber internetaffiner als über 60Jährige“.

Eyeglass24 ist der Beweis dafür, dass der Online-Handel mit Brillengläsern ein wachsender Markt ist. Das erkannte auch Moritz Rappold. Doch anstatt sich von dem Beispiel abschrecken zu lassen, sah er seine Chance: „Die Nische ist groß genug, dass mehrere Anbieter dort Erfolg haben können.“ 

Und so ging Moritz Rappold im April 2015 mit seiner Onlineplattform „Topglas“ online. Das Konzept ist dasselbe wie bei Eyeglass24, sogar der Konfigurator für die neuen Brillengläser ist bei beiden sehr ähnlich