Sie tragen Namen wie „Gründerschmiede“ oder „Innovationsfabrik“, „Spin-Off-Zone“ oder „Unibator“ und sollen Wissenschaftler mit guten Ideen zu Unternehmern machen: Hochschul-Inkubatoren. Wie eine Umfrage des Gründerraums unter rund 150 Hochschulen zeigt, betreiben 44 Prozent von ihnen nach eigenen Angaben heute einen solchen Inkubator. Ein weiteres Drittel kooperiert zumindest mit einem oder mehreren Inkubatoren vor Ort.

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

Schnelle BrüterInkubatoren bieten Gründer Nährboden und Nestwärme, um zu Unternehmern zu reifen. Betreiber dieser Brutkästen sind nicht nur Hochschulen, die findige Wissenschaftler fördern, sondern neuerdings auch immer mehr Unternehmer mit viel Geld und hohen Ansprüchen
In der WirtschaftsWoche vom 21. Februar finden Sie einen Beitrag über den Boom von Gründer-Brutkästen wie Rocket Internet in Deutschland.

Was ist eigentlich ein „Inkubator“?

„An Hochschulen gibt es viele Menschen mit guten Ideen, die einen Schubs und Starthilfe brauchen“, sagt Mareike Fischer, die an der Uni Lüneburg seit einigen Jahren über Inkubatoren forscht. „Ihnen hilft ein Inkubator dabei, das Geschäftsmodell zu entwickeln und langsam auf den Markt zu kommen.“ Allerdings sind nicht alle Hochschul-Inkubatoren sind gleich, wie die Umfrage zeigt – bei einer Minderheit ist sogar fraglich, ob der Begriff „Inkubator“ auf ihr Angebot wirklich zutrifft.

Dazu zunächst der Versuch einer Definition: Wissenschaftler verstehen unter einem Inkubator beispielsweise „ein Dienstleistungszentrum, welches versucht, Unternehmensgründern vorrangig in den frühesten Entwicklungsphasen ganzheitliche Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen zukommen zu lassen.“ Andere Forscher verwenden auch den Begriff Prä-Inkubator und bezeichnen damit eine „Einrichtung, die Gründer oder Gründerteams in der Vorbereitungs- und Planungsphase ihrer Unternehmen unterstützt.“

Ein Inkubator soll also offenbar mehr leisten, als den Gründern Schreibtische zur Verfügung zu stellen. Das bestätigt auch Wissenschaftlerin Fischer: „Entscheidend für den Erfolg der Gründer ist, dass die Inkubatoren ihnen nicht nur Räumlichkeiten stellen, sondern sie auch intensiv beraten. Auch der Austausch mit anderen Gründern, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, vergrößert die Erfolgschancen.“

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Was bieten Deutschlands Hochschulinkubatoren?

Die meisten Hochschulinkubatoren machen offenbar solche Angebote: Mehr als neun von zehn gaben in der Umfrage an, den Gründern Zugang zu Beratern und Netzwerken zu bieten. So betonen zahlreiche Inkubatoren wie etwa die „Gründerschmiede“ der Uni Siegen und der „Ideeninkubator“ der TU Braunschweig, mit den Jungunternehmern regelmäßig Coaching-Gespräche zu führen.

Einige Inkubatoren helfen den Gründern sogar dabei, Geld zu sparen: So übernimmt das die „Startup League“ des „Strascheg Center for Entrepreneurship an der Hochschule München“ nach eigenen Angaben Kosten von Patentanmeldungen, Rechtsberatung oder für die Entwicklung des Prototypen oder des Corporate Designs.

In mehr als 80 Prozent der Fälle können die Gründer in den Brutkästen auch Büroräume beziehen; etwas mehr als die Hälfte der Inkubatoren bietet außerdem Zugang zu Laboren – etwa das „Starterzentrum“ der Universität des Saarlandes, das seinen Gründern obendrein mit einem zentralen Sekretariat und Gemeinschaftsküchen einige Annehmlichkeiten bietet.

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Wie nistet man sich in einem Hochschulinkubator ein?

Aus Sicht von Experten wie Forscherin Fischer können Inkubatoren in der Frühphase einer Gründung besonders viel bewirken. Auch hier legen die meisten Inkubatoren die richtigen Maßstäbe an und richten sich in erster Linie an Studierende und Wissenschaftler, die zwar schon eine Geschäftsidee vorweisen können, aber mit der Umsetzung noch nicht oder gerade erst begonnen haben.

So verlangt nur jeder achte Hochschulbrüter einen „Proof-Of-Concept“, also einen Beleg für die Machbarkeit des Vorhabens; einen Businessplan will etwa jeder zehnte sehen. Einen Prototypen oder gar erste Kunden brauchen die Gründer so gut wie nie vorzuweisen, wenn sie sich im Inkubator einnisten wollen.

Umgekehrt setzt jeder zweite Inkubator explizit voraus, dass die Gründer, die dort Wurzeln schlagen wollen, formal noch nicht gegründet, also beispielsweise noch keine GmbH gebildet haben. Und in vier von fünf Inkubatoren gilt: Wer sich einnisten will, muss „Angehöriger der Hochschule“ sein – also Student, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Professor. Einige Inkubatoren stehen außerdem für Absolventen ihrer Hochschule offen. Das sollte beachten, wer sich mit dem Gedanken trägt, in einem Hochschulinkubator ein Unternehmen auszubrüten.

An einigen Hochschulinkubatoren werden nur bestimmte Arten von Geschäftsideen akzeptiert: Wer beispielsweise im „MICON Start-up-Labor“ der Uni Rostock andocken möchte, sollte eine „innovative Idee auf dem Gebiet der mobilen Internet-Architekturen und -Technologien“ mitbringen. Das „Designhaus Halle“, der Inkubator der Kunsthochschule Halle, sucht gezielt nach Existenzgründern mit guten Ideen aus der Kreativwirtschaft.

Einige Inkubatoren prüfen nicht nur die Geschäftsidee, sondern auch die Gründerpersönlichkeiten sehr genau: Wer zum Beispiel in der „Gründungswerkstatt“ der TU Berlin loswerkeln will, muss ein Ideenpapier vorlegen, einen Pitch durchlaufen, und eine Jury überzeugen. In den „Gründungs-Inkubator“ der Hochschule Darmstadt kommen nur Gründerteams, die ihre Geschäftsidee durch ein Assessment Center bringen. Ähnlich ist es im „Entrepreneurship Center“ der Ostfalia Hochschule in Wolfenbüttel, wo nicht nur „der Innovationsgehalt der Geschäftsidee“, sondern auch „die Persönlichkeit des Gründers bewertet“ wird: „Entscheidend ist, dass die Idee innovativ ist und dass der Gründer mit Leidenschaft seine Gründung verfolgt.“

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Was müssen Gründer liefern?

Wer in einem Hochschul-Inkubator ein Startup aufbauen will, sollte zuvor nach den fälligen Gegenleistungen fragen: In jedem zweiten Inkubator wird früher oder später Miete fällig, die sich aber oft über ein EXIST-Gründerstipendium finanzieren lässt. Drei von 65 Hochschulikubatoren verlangen für ihre Unterstützung Anteile an den gegründeten Unternehmen – „ein Trend, der aus den USA herüber schwappt“, hat Forscherin Fischer beobachtet.

In den vielen Gründer-Gewächshäusern sollten sich die Jungunternhmer darauf einstellen, regelmäßig mit Beratern über die Entwicklung ihres Startups zu sprechen und Meilensteine festzulegen. Außerdem erwarten die meisten Inkubatoren, dass die Gründer an Veranstaltungen teilzunehmen, um die Gründerkultur an ihrer Hochschule zu verbessern. Zum Beispiel im „VentureLab“, dem Inkubator der Universität Oldernburg, wo man sich wünscht, dass die Gründer idealerweise auch „nach der Gründung der Region verbunden bleiben“, anderen gründungsinteressierten Studierenden Rede und Antwort stehen und mit ihnen „aus dem Nähkästchen eines Gründers plaudern“.

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Der Trend: Gründerfreundlichere Hochschulen?

 


Fazit: Die Umfrage zeigt zwar nur eine Momentaufnahme der Inkubatorenlandschaft in Deutschland, außerdem haben von 200 angeschriebenen Hochschulen nur rund 150 an ihr teilgenommen. Dennoch belegen die Ergebnisse, dass gründungsinteressierte Studierende und Wissenschaftler an vielen Hochschulen einen Ort finden, um ihre Geschäftsidee in ein Unternehmen zu verwandeln. Mit guten Aussichten: Die Inkubatoren richten sich explizit an Gründer in frühen Phasen und haben erkannt, wie wichtig es ist, den Gründern nicht nur einen Schreibtisch hinzustellen, sondern sie auch intensiv zu coachen.

Außerdem positiv: Viele Hochschulen, die weder einen eigenen Inkubator betreiben, noch mit einem örtlichen Inkubator kooperieren, nehmen das Thema Unternehmertum heute offenbar sehr ernst. Vier von fünf befragten Hochschulen ohne Zugang zu einem Inkubator machen potenziellen Gründern Beratungsangebote oder breiten sie in Seminaren und Vorlesungen auf die Selbstständigkeit vor. Auch die Vernetzung von Gründern nimmt einen relativ hohen Stellen wert ein. War es früher eher die Ausnahme, dass erfahrene Gründerpersönlichkeiten in den Hörsälen über ihre Erfahrungen berichteten, ist das heute offenbar gang und gäbe.

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