Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche will der Gründer von Inkitt, Ali Albazaz, überzeugen. Sein Verlag programmiert Bestseller für Bücherregal und E-Book-Reader. Wie urteilt Investor Frank Thelen?

Eine halbe Minute mit Investor Frank Thelen im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir sind der einzige Verlag auf der Welt, der mithilfe eines Algorithmus Bestseller voraussagen kann. 2017 haben wir 50 Bücher herausgebracht, 46 haben es in die Top 100 von Amazon in den USA geschafft. Das erfolgreichste landete auf Platz 12. Auf unserer Plattform laden bereits 70.000 Autoren ihre Manuskripte hoch. Mehr als eine Million Leser können sie dann kostenlos als E-Book lesen. Wir analysieren deren Leseverhalten. Unsere Software errechnet, wie fesselnd ein Buch ist. Erkennt das Programm einen Bestseller, redigieren Lektoren das Manuskript, und wir veröffentlichen es als gedrucktes und elektronisches Buch – zurzeit nur in englischer Sprache.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Ich hatte zwei Start-ups gegründet, die gescheitert sind, und wollte eigentlich nicht mehr. Als Hobby habe ich dann mit viel Liebe eine Plattform programmiert, auf der sich Autoren gegenseitig bewerten. Das kam so gut an, dass ich daraus ein Start-up machen musste.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Wir verkaufen die Bücher wie ein normaler Verlag und vermarkten die Fernseh- und Filmrechte. Allerdings setzen wir aktuell komplett auf Wachstum, deshalb machen wir noch keinen Gewinn.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) … Wir sind wie Google datengetrieben. Jeder kann bei uns programmieren, selbst Mitarbeiter im Marketing.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Wir sind insgesamt 25 Leute, davon sprechen nur drei Deutsch. Ganz viele unserer Mitarbeiter sind aus aller Welt nach Berlin gezogen, um für Inkitt zu arbeiten. Unser Frauenanteil liegt bei 20 Prozent und ist sicher ausbaubar.

Was war euer größter Rückschlag?
Ich erinnere mich lieber an Erfolge. Wo steht ihr in fünf Jahren? Dann besteht die „New York Times“-Bestsellerliste zur Hälfte aus Inkitt-Büchern. Schon zuvor, von 2019 an, wollen wir zudem spanisch-, französisch- und deutschsprachige Bücher anbieten.

Fakten zum Start-up

Gründung: 2014
Finanzierung: fünf Millionen Dollar Wagniskapital
Mitarbeiter: 25

Wie urteilt der Profi?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 5/5

Urteil: „Inkitt ist das, was ich mir unter einem innovativen Start-up vorstelle: Es nutzt neue Technologie, um sich einen Platz in einem bestehenden Markt zu erkämpfen.“
Frank Thelen, Gründer der Wagniskapitalfirma Freigeist, früher Investor bei MyTaxi und Wunderlist