Die Informationsflut im Netz beflügelt den Trend kuratierter Nachrichten: Verschiedene Start-ups springen auf den Zug auf.

Große Sitzkissen auf Holzpaletten, bunte Zettelchen an den Glaswänden, halb ausgepackte Pappkartons in den Ecken – und dazwischen junge Mitarbeiter aus aller Welt. Was etwas improvisiert und wie ein typisches Berliner Start-up daherkommt, ist der jüngste Hoffnungsträger von Axel Springer. Mit dem News-Aggregator Upday will der Medienkonzern das digitale Nachrichtengeschäft aufmischen. Dabei setzen die Macher auf eine kuratierte Auswahl aus Hunderten Quellen – und auf den Smartphone-Weltmarktführer Samsung.

Upday ist seit einigen Wochen in Deutschland, Großbritannien, Polen und Frankreich exklusiv auf Geräten des koreanischen Herstellers verfügbar. Auf den neuen S7-Modellen ist die Anwendung schon vorinstalliert und ersetzt als zweiter Homescreen den US-Konkurrenten Flipboard. „Ende des Jahres wollen wir auf mindestens zehn Millionen Smartphones sein“, sagt Chefredakteur Jan-Eric Peters.

Roboterjournalisten können nicht alles

Pro Land werden die Nachrichten von sechs bis acht Redakteuren aus mehr als 300 Quellen generiert. Medien wie der „Guardian“, „Le Figaro“, die „FAZ“ oder die „Süddeutsche“, aber auch Angebote wie Buzzfeed sowie Techblogs seien dabei. Springer-Medien würden nicht bevorzugt, „da wären wir ganz schön dämlich“, betont Peters. Mit seinen 51 Jahren ist der frühere „Welt“/N24-Chefredakteur der älteste in dem internationalen Team. 80 Mitarbeiter aus 20 Nationen arbeiten bei Upday, die Programmierer sind alle in Berlin angesiedelt.

Im Bereich „My News“ werden maschinell anhand der persönlichen Einstellungen und des Leseverhaltens Nachrichten empfohlen. Aber: „Upday soll keine charakterlose Maschine sein, die nur von Algorithmen gesteuert wird“, sagt Peters. Deshalb gibt es noch die von Journalisten kuratierten „Top News“ – eine Auswahl relevanter Nachrichten, „die jeder kennen sollte“.

„Wir beobachten, dass der menschliche Redakteur wieder stärker in den Vordergrund rückt. Roboterjournalisten können nicht alles und sollen das auch gar nicht“, sagt Stephan Weichert, Professor an der Macromedia-Hochschule in Hamburg. So sei etwa der handverlesene Newsletter, beispielsweise in Form des Morgenbriefings, der Trend der Stunde. Hinzu kommen andere kuratierte Angebote wie Klartext von Xing oder das Start-up Piqd, bei dem zahlreiche Experten die besten Artikel des Tages empfehlen. Im Informations-Overkill des Internets gebe es keine Grenzen, wie die Seitenzahl einer Zeitung oder die 15 Minuten der „Tagesschau“, sagt Weichert. „Da können Angebote oder Tools, denen ich vertraue, Orientierung geben.“