„Wir haben einfach mal gemacht, was uns gefällt, und geschaut, ob das auch andere mögen.“ Willkommen in der Welt der Indie Mags! Die selbstverlegten Zeitschriften wagen, was sich Großverlage kaum trauen. Das kommt oft gut an, täuscht aber nicht über die Schwierigkeiten hinweg, sich an einem etablierten Markt zu positionieren.

Als Laura Brüllmann ihr Journalistik-Studium beendete, war für sie längst klar: Als Journalistin wollte sie nicht arbeiten; ihre Vorstellung vom Traumberuf war schon während der ersten Praktika an der Berufsrealität gescheitert. „Der Tagesjournalismus ist mir einfach zu schnell und oberflächlich“, sagt sie. Für ihre Vorstellung vom Journalismus hat sie sich stattdessen eine eigene Plattform geschaffen. Zusammen mit Kommilitonin Gabriella Hummel gründete sie das Medienportal One Day Portray.

Dort entziehen sich die jungen Journalistinnen dem Zeitdiktat der Branche und stellen stattdessen den Menschen und seinen Alltag ins Zentrum. „Die Idee ist eigentlich ganz simpel. Wir wollen eine Plattform sein, auf der ausschließlich Porträts laufen – egal ob schriftlich, fotografisch oder filmisch“, sagt Hummel.

Nischenmarkt mit Qualitätsanspruch

Während Gründerkollegin Brüllmann nach dem Studium in die Kommunikation ging, arbeitet Hummel seitdem für die Schweizer Tageszeitung 20 Minuten. Der Name ist Programm und spielt an auf den schnellen Takt im Geschäft mit den Aktualitäten. One Day Portray fällt aus diesem Rhythmus: Während im journalistischen Tagesgeschäft die Recherche nach dem Telefonat oft schon endet, fängt sie für die Gründerinnen damit gerade erst an. Einen ganzen Tag soll der Autor den jeweiligen Protagonisten für ein Reportage-Porträt begleiten – ein Gegenkonzept von vielen, das exemplarisch für eine junge Szene in der Medienlandschaft ist.

Abseits der großen Verlagshäuser hat sich ein Nischenmarkt etabliert, der auf Qualität setzt, neue Konzepte in alter Tradition denkt, dem Leser einiges zutraut – und damit Erfolg hat. Vorreiter für die sogenannten Indie Mags (kurz für „Independent Magazines“ beziehungsweise unabhängige Zeitschriften) waren mittlerweile deutschlandweit erscheinende Hefte wie Dummy, Mare oder Brand eins.

„Die Gründung war so eine Aus-dem-Bauch-heraus-Aktion, die zunächst weder Kopf noch Fuß hatte. Da war eine Portion Naivität und auch Irrsinn im Spiel. Wir haben einfach ein Magazin gemacht, das uns gefällt, und mal geschaut, ob es andere auch mögen“, sagt Nicole Kling, aus dem Gründer- und Verleger-Team von MUH, einem aufwändig gestalteten Indie Mag für bayrische Kultur und Politik. Oder wie es auf der Homepage heißt: „MUH möchte ein Magazin sein für bayerisches Wesen und Unwesen, bayerische Kulturen und Unkulturen, Gemütlichkeit und Ungemütlichkeiten.”