Wer als Gründer international Erfahrung sammeln will, dem bietet die Europäische Union mit ihrem Erasmus-Programm eine optimale Möglichkeit.

Viele Gründer waren zu Studienzeiten im Ausland – mit dem EU-Förderprogramm Erasmus zum Beispiel in Stockholm, Barcelona oder Prag. Das könnten sie auch als junge Gründer machen, denn die EU fördert genauso Jungunternehmer, die im Ausland Gründerluft schnuppern wollen. Der Name: Erasmus for Young Entrepreneurs. Die Idee: Ein Jungunternehmer, der gründen möchte oder vor kurzem gegründet hat, bekommt die Chance von einem erfahrenen Unternehmer zu lernen, der in einem anderen europäischen Land heimisch ist. Ein bis sechs Monate kann der Austausch dauern. Reise- und Aufenthaltskosten bezuschusst die Europäische Union – vergleichbar mit der Erasmus-Förderung für Studierende.

„Das Erasmus-Studentenprogramm läuft bereits seit Jahrzehnten und ist extrem erfolgreich. Gemeinsam mit der Europäischen Kommission und dem EU-Parlament hatten wir deshalb das Gefühl, dass wir gemeinsam etwas Vergleichbares für Gründer bräuchten, um so einer neuen Generation von Entrepreneuren neue Chancen auf dem inner-europäischen Markt zu bieten“, sagt Ben Butters vom Erasmus for Young Entrepreneurs Support Office beim Eurochambres in Brüssel, dem Dachverband der europäischen Kammerorganisationen.

Markus Espeter hat beide Chancen genutzt: Sein Auslandssemester während des Studiums verbrachte er in Polen – in Warschau studierte er ein Semester an der Uni, dann hängte er dort noch ein Auslandspraktikum dran. Die EU-Finanzierung machte ihm das möglich. Als er dann durch eine Gründerpreis-Verleihung auf Erasmus for Young Entrepreneurs aufmerksam wurde, meldete er sich ziemlich schnell an.

Um Teil des Netzwerks zu werden müssen Jungunternehmer Lebenslauf, Motivationsschreiben und einen Businessplan einreichen. Beweist der Gründer damit, dass seine Unternehmung förderungswürdig ist, so steht ihm der Zugang zum Netzwerk offen. Nun müssen sich nur noch Jungunternehmer und Gastgeber finden.

Über europäisches Netzwerken bis nach Afrika

Bei Espeter war die Suche erfolgreich: Seit Dezember ist er als Jungunternehmer bei dem niederländischen Reiseveranstalter Matoke Tours auf Austausch. Dabei hat sein Gastgeber so direkt zunächst einmal nichts mit der Gründung zu tun, die Espeter plant. Gemeinsam mit drei Mitstreitern hat Espeter einen Energiesparherd entwickelt, der in erster Linie mit Holz oder getrockneten Pflanzenresten betrieben wird. Statt unbrauchbarer Asche bleibt als Abfallprodukt Holzkohle übrig, die dann im Ofen zum erneuten Kochen und Heizen wiederverwendet werden kann – ein idealer Ersatz für die energiefressenden Öfen, die in Afrika heute zumeist zum Einsatz kommen.