Mit Millioneninvestitionen und Gründerzentren fördert Bayern seine Start-ups. Im Interview erklärt die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner die Pläne und nennt erste Erfolge.

WirtschaftsWoche: Der neue und vorherige Sieger des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs kommen aus Bayern. Ist Berlin also gar nicht die deutsche Start-up-Hauptstadt?

Ilse Aigner: Mir geht es gar nicht so sehr um den Gegensatz – beide Standorte haben ihre Stärken. Wir haben haben in Bayern ebenfalls eine starke Gründerszene. Wahrscheinlich sind wir nicht so laut, aber dafür effektiver und nachhaltiger. Und bis 2020 werden wir zusätzlich fast 330 Millionen Euro für Gründer einsetzen.

Wofür wird das Geld ausgegeben?

125 Millionen Euro fließen in eine neue Fondsgeneration bei Bayern Kapital und andere Förderprogramme für technologieorientierte Unternehmensgründungen. Außerdem haben wir einen Wachstumsfonds mit 100 Millionen Euro aufgelegt. Und weitere 80 Millionen Euro fließen in die Gründerzentren, die wir in jedem Regierungsbezirk aufbauen. Die werden nächstes Jahr nach und nach ihre Arbeit aufnehmen.

Was genau soll dort geboten werden?

Einerseits Räumlichkeiten, um eine Firma zu gründen. Entscheidend ist aber das Netzwerk mit der örtlichen Wirtschaft sowie den Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Gerade unsere Mittelständler sind im ganzen Land verteilt und die können für Start-ups wichtige Kunden sein. Dazu gibt es in den Gründerzentren Unterstützung durch Experten und den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, etwa Business Angels.

Das größte Problem für die meisten Start-ups ist aber die Finanzierung.

Deswegen haben wir 2015 den Wachstumsfonds aufgelegt. Denn vor allem wenn Start-ups größere, einstellige Millionenbeträge benötigen, gibt es eine Lücke. Die ersten Ergebnisse liegen weit über unseren Erwartungen. Wir hatten mit fünf Beteiligungen pro Jahr gerechnet und sind jetzt schon bei acht.

Wie viel Geld ist dabei geflossen?

Wir haben 18 Millionen Euro eingesetzt und in Kombination mit den Investitionen privater Investoren, die ja den größeren Teil beisteuern, sind 127 Millionen zusammengekommen. Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass wir so beim privaten Kapital einen zweieinhalbfachen Hebel erzeugen, jetzt sind wir sogar beim siebenfachen.

Kann Bayern mit den Investitionen den Rückstand auf die Start-up-Hauptstadt Berlin aufholen?

Was den Gründersaldo betrifft, sind wir gar nicht im Rückstand.

In verschiedenen Statistiken liegt Berlin klar vorn.

Gründen ist das eine, aber die Frage ist auch, wie lange sie im Markt bleiben oder wie viele Arbeitsplätze dadurch entstehen. Und da ist Bayern beispielsweise mit durchschnittlich 30 Mitarbeitern pro Unternehmen an der Spitze. Zudem haben die Start-ups hier eine andere Ausrichtung. Wir haben nicht so viel App-Entwicklung und Produkte für Endkunden, stattdessen gibt es starke Gründungen im technologischen Bereich.

Was kann Bayern von Berlin lernen?

Die Berliner Szene ist teilweise kreativer, noch urbaner und stärker an Konsumenten ausgerichtet. Natürlich ist es dort auch mit den Räumlichkeiten einfacher, sowohl bei Wohnungen als auch Gewerbemöglichkeiten. Da sind wir in München beengter – aber das kompensieren wir mit einem anderen Lebensgefühl.