Icaros kombiniert Fitnesstraining und Computerspiel. Das Münchner Start-up will damit vom Virtual-Reality-Boom profitieren.

Virtual Reality wird in diesem Jahr endlich Realität. Nachdem Entwickler seit Jahren davon träumten, verwandeln die nun erhältlichen Cyberbrillen wie Samsung Gear oder demnächst Oculus Rift künstliche Welten in unglaublich real wirkende Erlebnisse. Eine Frage ist noch, wie sich die Nutzer in der künstlichen Realität bewegen können, ohne herkömmliche Spielecontroller zu nutzen.

Das Münchener Start-up Icaros hat daher ein Gerät entwickelt, mit dem die Spieler mit dem ganzen Körper in die Kunstwelt abtauchen können. Sie legen sich dazu auf das mit Bewegungssensoren verbundene, in alle Richtungen bewegliche Metallgestell. Der Spieler fühlt sich, als ob er an einem Flugdrachen hängt, über die Brille sieht er ein spektakuläres Bergpanorama von oben und muss mit dem ganzen Körper die Flugbewegungen ausbalancieren. Das fordert Gleichgewichtssinn und Muskelkraft gleichermaßen, der Icaros ist damit eine Mischung aus Spielecontroller und Fitnessgerät.

Aus dieser Überlegung ist Icaros auch entstanden. Der angehende Industriedesigner Johannes Scholl hatte sich für seine Diplomarbeit ein Sportgerät vorgenommen. „Ich wollte etwas für Leute entwickeln, die die Geräte in klassischen Fitnesscentern langweilig finden“, sagt Scholl.

Vom Praktikanten zum Firmengründer

Zu dieser Zeit war er Praktikant im Münchener Design-Studio Hyve, beim Herumspinnen mit dessen Chef Michael Schmidt entstand die Idee: Man müsste damit Fliegen können. Das Ganze begann 2011, ein Jahr bevor Palmer Luckey seinen ersten Prototypen der Oculus Rift vorstellte. Das Projekt reifte und 2014 gründeten Scholl und Schmidt zusammen die Icaros GmbH.

Nun ist das Gerät fertig, auf der Sportmesse Ispo wurde es gerade als beste Neuheit ausgezeichnet. Die ersten 50 Geräte sind produziert, Bestellungen gibt es aus aller Welt. „Unsere Kunden reichen von Vergnügungsparks bis zu Fitnesscentern“, sagt Icaros-Chef Johannes Scholl. Private Nutzer sind bislang die Ausnahme, bei Kosten von bis zu 10.000 Euro jedoch auch nicht die Zielgruppe.

Momentan nutzt Icaros als Brille die Samsung Gear. „Die waren bei der Verfügbarkeit einfach die Schnellsten“, sagt Scholl, „es funktioniert grundsätzlich aber mit jeder VR-Brille.“ Von der Oculus Rift verspricht er sich noch mehr Spieltiefe, wobei auch die nur mit einem Smartphone verbundene Gear vom grafischen Erlebnis schon beeindruckt.

Auch die möglichen Spielszenarien sollen in nächster Zeit erweitert werden. Bislang gibt es den Flugsimulator, der gerade um einen Kampfmodus erweitert wurde, in dem man sich Verfolgungsjagden mit gegnerischen Drohnen liefern kann.

Andere mögliche Welten sind könnten mit dem Motorrad auf der Straße oder unter Wasser spielen. „Das Prinzip funktioniert überall wo Geschwindigkeit und Balance gefragt sind“, sagt Scholl. So beispielsweise auch für rasante Schlittenfahrten: Die frühere Skeleton-Olympiasiegerin Amy Williams hat den Icaros auch schon getestet.

Steckbrief

Icaros

Gründer: Johannes Scholl, Michael Schmidt

Gründung: 2015

Finanzierung: eigene Mittel, Tochter der Design-Agentur Hyve

Kosten: von 7500 bis 10.000 Euro

Kunden: erste 50 Geräte fertig – Bestellungen aus den USA, Mexiko, Frankreich und China