Sie wollen politische Freiräume füllen, die Berichterstattung komplettieren oder einfach nur unterhalten. Dafür finden hyperlokale Medien verschiedene Finanzierungsansätze.

Von Mark Heywinkel

Stark im Lokalen zu sein – das beanspruchen so gut wie alle Regionalzeitungen für sich. Und dennoch weiß keine Redaktion bis ins Detail über das Geschehen in sämtlichen Stadtbezirken Bescheid. Zu gering sind in der Regel die Ressourcen, um jedem Quartier die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Dieser Mangel rief Ende der Nullerjahre unabhängige Blogger auf den Plan. Sie entwickelten digitale Angebote, die aus ihrem Viertel, manchmal sogar nur aus ihrer Straße berichteten. Inzwischen sind manche dieser hyperlokalen Medien zu Kleinunternehmen mit treuer Leserschaft gereift. Um sich zu finanzieren, verfolgen sie unterschiedliche Ansätze.

Philipp Schwörbel hat fünf Jahre lang auf Werbung gesetzt. 2010 gingen seine Prenzlauer Berg Nachrichten ins Netz. Er wollte gute Nachrichten in den Berliner Szenekiez bringen. Den Status quo beschreibt Schwörbel so: „Wir ergänzen uns in Prenzlauer Berg mit etlichen lokalen Angeboten, die aber oft monothematisch oder auch nicht so regelmäßig anbieten können.“ Doch durch Werbung allein kann die GmbH die Honorare ihrer drei freiberuflichen Mitarbeiter nicht stemmen.

Deshalb haben Schwörbel und sein Team vor kurzem eine Paywall angekündigt und um Mitglieder geworben. 750 Jahresabos für 4,90 Euro haben sie mit der Aktion verkauft. Schwörbel ist zufrieden, resümiert den Ausgang der Kampagne jedoch vorsichtig. „Ob die Paywall sich durchsetzt oder das eine Mittel ist, weiß ich auch nicht“, sagt er. Deshalb sei die Bezahlschranke auch weich gehalten: Nur aktuelle Artikel sind künftig ausschließlich für Mitglieder zu sehen. Zudem können zahlende Nutzer Artikel kostenlos weitergeben. „So haben wir zwar einen klaren Mehrwert für unsere Kunden, aber – wenn das erstmal etabliert ist – auch eine Reichweite, die neue Mitglieder gewinnen kann.“

Mit Brüsten zu Beliebtheit

Auf Reichweite und ausschließlich auf Reichweite setzt Thomas Löbel. In der Mediengruppe Dr. Haas ist er für Neue Geschäftsfelder zuständig und hat unter dem Label Headline24 zwei regionale Angebote für die Rhein-Neckar-Region geschaffen.

Mannheim24 und Heidelberg24 sind sowohl an ihrem plakativen rot-gelben Erscheinungsbild leicht zu erkennen wie auch an ihrer thematischen Ausrichtung: Während die Prenzlauer Berg Nachrichten wie eine Zeit für den Kiez daherkommen, schlägt einem Löbels Redaktion Crime-Geschichten und ordentlich Erotik um die Ohren.