Der High-Tech Gründerfonds erhält immer mehr Geld aus dem Mittelstand. Geschäftsführer Michael Brandkamp berichtet von der neuen Sehnsucht nach Start-ups.

Geld aus den öffentlichen Kassen trifft Geld aus Unternehmen – und daraus resultieren sollen erfolgreiche Investitionen in ebensolche Start-ups. Der High-Techs Gründerfonds (HTGF) gehört zu den aktivsten Risikokapitalgebern in Deutschland und hat sich dabei auf die Unterstützung in ganz frühen Phasen spezialisiert. Der dritte Fonds, der im vergangenen Herbst in die Investitionsphase gestartet ist, ist auch dank immer neuer Geldgeber aus dem Mittelstand auf eine Rekordsumme angewachsen. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer berichtet HTGF-Geschäftsführer Michael Brandkamp, warum der Mittelstand die Nähe zu den Start-ups sucht, spricht über die wichtigsten Auswahlkriterien des Fonds – und gibt eine Prognose für das Start-up-Jahr 2018 ab.

Herr Brandkamp, wer ruft eigentlich häufiger bei Ihnen an – Start-ups oder Mittelständler?
In der Tat hat sich die Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmens unglaublich belebt. Im ersten Fonds waren sechs Firmen mit dabei, im zweiten achtzehn – und jetzt sind wir bei 30. Da sind viele Mittelständler mit dabei, von der Chemiefirma Büfa über die Hettich-Gruppe, einem Zulieferer für die Möbelindustrie, der Schufa bis zum Elektrotechnik-Spezialisten Phoenix Contact. Auf der anderen Seite haben wir jährlich über 2000 Anfragen von Start-ups, von denen wir 30 bis 40 finanzieren. Wir verstehen uns als eine Brücke zwischen den Großen und den Kleinen.

Warum sucht der Mittelstand denn diese Brücke zu Start-ups?
Die Innovationsdynamik hat sich sehr stark beschleunigt. In vielen etablierten Firmen gibt es durchaus die Möglichkeiten, zu innovieren, aber die Geschwindigkeit ist natürlich begrenzt. Da steigt die Sorge, irgendwann abgehängt zu werden. Start-ups sind sehr schnell und agil. So ergeben sich oft wunderbare Synergien.

Und die Start-ups werden dann einfach als Innovationsbeschleuniger dazugekauft?
So einfach geht das nicht. Aber schön ist, dass die meisten Unternehmen sehr offen sind. Sie wissen, dass man die Trends verschläft, wenn man nicht flexibel reagieren kann. Vielen geht es darum, die Start-up-Szene erst einmal kennenzulernen. Andere suchen Partner für Entwicklungsprojekte. Mal werden die Großen neue Kunden der Kleinen, mal ist es umgekehrt. Nach einem Kennenlernen steigen die etablierten Firmen oft auch als zusätzlicher Investor ein – und können den Start-ups so helfen, deutlich schneller zu wachsen.

Solche gemeinsamen Investments sind bei Ihnen eher die Regel. Was steckt dahinter?
Wir glauben, dass die Anforderungen an ein Start-up so hoch sind, dass es besser ist, sich zusammenzutun. So kann man die unterschiedlichen Stärken der Geldgeber nutzen. Ein Mix aus unternehmerischen und institutionellen Investoren macht häufig Sinn. Dabei spielen auch Business Angels eine Rolle, die oft emotional involviert sind, während die anderen Geldgeber strategisch denken. Und wir können noch unser Netzwerk einbringen und den Start-ups so helfen.

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Wie hat sich die Start-up-Szene in den vergangenen Jahren verändert?
Die Szene hat sich sehr stark belebt – sowohl auf Investorenseite als auch auf Start-up-Seite. Viele Gründungen sind zudem besser als früher.

Bei 2000 Start-up-Anfragen und 30 bis 40 Investments pro Jahr müssen sich aber nicht allzu viele Bewerber Hoffnung machen, oder?
Die Zahlen hören sich erst einmal ziemlich gruselig an, sind aber gar nicht so schlimm: Wenn man eine richtig gute Idee hat und über Netzwerkpartner kommt, ist die Wahrscheinlichkeit vergleichsweise hoch.

Was macht eine gute Idee für Sie denn aus?
Drei Dinge sind für uns besonders relevant. Erstens schauen wir uns an, ob die Gründungsidee einen Vorsprung verspricht und auch geschützt ist. Zweitens achten wir auf das Team – da braucht es die richtige Mischung auf technologischer und kaufmännischer Erfahrung. Und drittens analysieren wir, welchen Weg das Team mit seinem Start-up einschlagen möchte: Wann will es mit der Idee Geld verdienen, wie will es wachsen?

Als Frühphaseninvestor steigen Sie oft vor dem Markteintritt ein. Wie weit müssen die Teams bereits sein?
Es stimmt, dass wir früh einsteigen und zum Teil sogar die Firmen mitgründen. Trotzdem verlangen wir ein Labormuster, valide wissenschaftliche Ergebnisse oder eine Software, die schon zu einem gewissen Stadium entwickelt ist. Wir erwarten mehr als ein reines Papierkonzept.

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Der HTGF selbst hat mit dem neuen Fonds seine Finanzierungsbedingungen angepasst. Warum?
Wir sind flexibler in der Höhe der Summe geworden – das hilft uns, wenn es um ein gemeinsames Investment mit anderen Geldgebern geht. Die neue maximale Summe, die wir in ein einzelnes Start-up stecken können, liegt nun bei drei Millionen Euro. Das hilft uns, auch kapitalintensivere junge Firmen zu unterstützen. Ferner starten manche Unternehmen als Dienstleister und benötigen erst später eine Finanzierung für ihre Innovationen. Um diese Unternehmen zu erreichen, können wir Unternehmen finanzieren, die drei Jahre alt sind. Bisher waren es 12 Monate.

Welche Ziele hat der HTFG für das laufende Jahr?
Auch in diesem Jahr werden wir etwa 30 Start-ups in unser Portfolio aufnehmen. Wir beobachten, dass die Berliner Szene eine gute Lokomotive für den Markt ist – und hoffen, dass wir diese Energie auch auf andere Bereiche übertragen können. Neben den Themen rund um die Digitalisierung glauben wir auch an Bereiche wie Energie, Sensorik, Bioscience oder Chemie. Da ändert sich das Klima und die Aufgeschlossenheit gegenüber Start-ups nimmt deutlich zu. Unser Ziel ist es, potentialreiche Start-ups aus den verschiedenen Technologiefeldern zu finanzieren und ihnen zu helfen, groß zu werden.