Die Gründer des Pflanzen-Onlineshops Evrgreen überraschten mit persönlichen Zimmerpflanzen. Beim Wachsen helfen, wollte aber keiner der Investoren.

Von Julia Nikschick

Jan Nieling und Philip Ehlers hatten für ihren Auftritt in der „Höhle der Löwen“ ein klares Ziel: 500.000 Euro um ihren Online-Shop zu professionalisieren, Produkte und Verpackungen weiter zu entwickeln und das Marketing voran zu treiben. Doch die beiden Gründer bekamen schnell die Zähne der Löwen zu spüren. 
Jochen Schweizer bezeichnete die Idee als „nicht rund“ und Unternehmerin Judith Williams sagte: „Ich glaube ihr braucht erste Hilfe, damit wir eure Stärken sofort verstehen.“ Schnell war nur noch Carsten Maschmeyer als potenzieller Investor übrig. Der Finanzier gab sich zwar als begeisterter Hobby-Gärtner zu erkennen, meinte jedoch auch, ihm fehle Kompetenz und Passion seitens der Gründer. „Ich habe das Gefühl, sie haben gegründet, um des Gründen willens“ ,sagte Maschmeyer, bevor auch er ein Investment in Evrgreen ablehnte. Im Interview erzählen Jan Nieling und Philip Ehlers, wie sie sich auf den Pitch vorbereiteten und was sie aus dem harten Urteil der Investoren gelernt haben. 

Herr Ehlers, Herr Nieling, was hat zwei Männer ohne „grünen Daumen“ dazu bewegt einen Online-Shop für Pflanzen zu eröffnen?
Das eigene Bedürfnis nach der grünen Wohlfühloase. Wir sind beide am Stadtrand aufgewachsen und waren als Kinder oft in der Natur. Durch die Pflanzenpflege unserer Mütter hatten wir es zu Hause immer grün geschmückt. Dann kam der Auszug, und das Bedürfnis nach einer grünen Wohnung blieb. Allerdings führten die vielen Beschäftigungen wie Ausbildung, Studium und Freizeitaktivitäten dazu, dass sich das Grün nach kurzer Zeit in ein trostloses Braun verwandelte. Nachdem uns dann zum Xten Mal die Pflanze eingegangen war, traf uns die Erkenntnis, dass wir keinen grünen Daumen besitzen.

Doch im nächsten Moment fragten wir uns, liegt es wirklich an uns oder vielleicht sogar an den Pflanzen? Wir fanden heraus, dass es eine Mischung aus beidem ist und dass es mehr als der Hälfte der Menschen in Deutschland genauso geht. Also überlegten wir uns genau, welche Gründe gegen den grünen Daumen sprachen und erarbeiteten ein Konzept mit Hilfe dessen wir Menschen wie uns die grüne Wohlfühloase ermöglichen können. Dabei spielen Qualität, Service und die Freude an den grünen Mitbewohnern eine wichtige Rolle.

Wie kamen Sie auf die Idee sich bei der Höhle der Löwen zu bewerben?
Wir haben die Sendung in den letzten Jahren mit Aufmerksamkeit verfolgt und fanden es natürlich immer sehr sexy, dass sich dort jungen Start-ups die Chance eröffnet, sich vor einem breiten Publikum zu präsentieren. Und natürlich waren wir auch sehr gespannt darauf, wie die Löwen unsere Geschäftsaktivitäten bewerten und ob sie in uns investieren würden. Aus der Start-up-Szene kennen wir schon einige Teilnehmer der letzten Jahre und haben viel über die Gefühle und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Sendung gehört. Durch die Nähe zu Köln lag es nahe, dass wir uns selbst einmal bewerben.

Sie wurden von den Löwen hart in die Zange genommen. Wie haben Sie sich auf den Pitch und die Verhandlungsrunde vorbereitet? 
Aus vergangenen Sendungen wussten wir in etwa, was uns erwartete. Schlussendlich war das ja auch der Grund, warum wir uns der Herausforderung gestellt haben. Wir sind überzeugt von unserer Idee und unserem Weg. Das ist nach unserer Ansicht das Wichtigste, wenn es darum geht, dem prüfenden Blicken und kritischen Fragen der Löwen zu begegnen. Trotzdem ist es dann im Pitch immer noch etwas anderes: welche Erfahrungen bzw. welchen Bezug die einzelnen Löwen zu Pflanzen haben, konnten wir vorher nur vermuten. Wie sie auf unser Geschäftsmodell reagieren würden ebenfalls. Wir wurden beispielsweise damit konfrontiert, dass wir keine Gärtner sind bzw. über keine Gärtnerkompetenz im Unternehmen verfügen. Natürlich haben wir bei Evrgreen über die Jahre hinweg viel grünes Wissen aufgebaut, mit dem wir unsere Kunden versorgen. Trotzdem ist unser Geschäftsmodell so ausgelegt, dass wir mit Spezialisten aus der grünen Branche zusammen arbeiten und dadurch den Wissenstransfer realisieren.