Geld bekam das Start-up Hamaka am Dienstag nicht. Trotzdem sind die Gründer mit ihrem Auftritt in der „Höhle der Löwen“ zufrieden. Wie es nun weitergeht.

Judith Williams zeigte sich skeptisch, bevor die Gründer Lucas Schmidt und Max Wohlleber überhaupt vor die Investoren traten. „Das sieht ja nicht so stabil aus“, kommentierte die Teleshopping-Moderatorin, als sie in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ das Produkt der beiden Unternehmer, eine Hängematte, begutachtete.

Doch selbst mit einem wippenden Frank Thelen hielt die Hängematte einwandfrei. „Da habt ihr schon genau das richtige Material gewählt“, lobte Jochen Schweizer, der Outdoor-Experte der Sendung. Die Idee, Hängematten aus einem stabiler Fallschirmseide herzustellen, sei „exzellent“. Auch Vural Öger, der Tourismus-Experte, sah einen Bedarf für die Idee der beiden Gründer.

50.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile wollte am Ende aber keiner der Investoren locker machen. Bei einem Verkaufspreis von 119 Euro sei die Fertigung von 55 bis 60 Euro „viel zu hoch“, kommentierte Öger. „Ich sehe nicht, wie man damit Geld verdienen kann“, meinte Thelen. Und Jochen Schweizer fand, die Gründer müssten noch weiter an ihrer Idee arbeiten.

Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erzählen Lucas Schmidt und Max Wohlleber, warum Hamaka ein Investment hätte gebrauchen können, ihnen Skalierbarkeit aber am Ende gar nicht so wichtig ist.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Schmidt, Herr Wohlleber, wie kommt man auf die Idee, sein Start-up in der „Höhle der Löwen“ zu präsentieren?
Lucas Schmidt: Wir haben darüber schon am Anfang unserer Gründung gescherzt, dass wir mal in die „Höhle der Löwen“ gehen könnten. Dann sind die Macher über unsere Crowdfunding-Kampagne auf uns aufmerksam geworden. Da haben sich unsere Wege dann gekreuzt.
Max Wohlleber: Wir hatten eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter. Das Team fand unsere Idee interessant, und daraufhin haben wir uns beworben.

„Tolles Produkt, aber als Investment nicht geeignet“

Nun haben Sie von den Investoren kein Geld bekommen. Wie haben Sie die Reaktionen auf Ihre Präsentation selbst empfunden?
Schmidt: Sehr gemischt. Die Reaktionen waren nicht negativ, trotzdem haben sich die „Löwen“ nach und nach zurückgezogen. Ich hatte aber schon das Gefühl, dass sie das Produkt ganz cool fanden.
Wohlleber: Der Grundtenor war: Tolles Produkt, aber als Investment nicht geeignet, weil nicht skalierbar.

Wie ist es für Sie nach der Sendung weitergegangen?
Wohlleber: Es ist eigentlich gar nicht so viel passiert. Wir haben eine Crowdfunding-Kampagne abgeschlossen, seit Sommer sind unsere Hängematten jetzt verfügbar.

Sie haben über Startnext gut 10.000 Euro eingenommen. Hätten Sie das Investment der „Löwen“ überhaupt benötigt?
Wohlleber: Nicht unbedingt. Aber wir hätten ein Investment ganz gut gebrauchen können, um unser Marketing voranzutreiben, auf Messen aufzutreten und die Marke bekannter zu machen. Jetzt kommt erst einmal der Winter, da ist in der Outdoor-Branche nicht so viel los. Das gibt uns Zeit, um zu entscheiden, wie wir mit Hamaka weitermachen.
Schmidt: Wenn wir jetzt klein weitermachen und organisch wachsen, ist das auch gut.

„Wir wollen mit unserer Produktion in Europa bleiben“

Warum wollen Sie Ihr Geschäftsmodell nicht skalieren, wie es die „Löwen“ gerne hätten? Wäre es nicht beispielsweise eine Option, mit dem Einzelhandel zusammenzuarbeiten?
Schmidt: Wir produzieren unsere Hängematten in Europa, einen Großteil des Produkts auch in Deutschland. Dadurch ist die Herstellung sehr teuer. Wenn wir jetzt mit dem Einzel- oder mit dem Fachhandel zusammenarbeiten, müssten wir viel größere Stückzahlen zu viel geringeren Kosten produzieren, um die Marge des Einzelhandels erreichen zu können. Das ginge nur noch im Ausland.

Das ist doch grundsätzlich nicht verwerflich.
Wohlleber: Nein, aber wir wollen die Qualität hochhalten. Deswegen bleiben wir mit unserer Produktion in Europa.

Können Sie von dem Geschäft mit Hängematten denn schon leben?
Schmidt: Nein, leben können wir davon nicht.
Wohlleber: Noch nicht. Wir sind allerdings auch noch Studenten und müssen das auch nicht.
Schmidt: Aber es macht viel Spaß, das Unternehmen aufzubauen und weiterzuentwickeln, das Produkt zu optimieren.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich ausgerechnet mit Hängematten zu beschäftigen?
Wohlleber: Wir waren oft zusammen im Urlaub und liegen dann gerne in Hängematten. Allerdings enttäuschten uns die bisherigen Produkte auf dem Markt.

Was kann an einer Hängematte enttäuschen?
Schmidt: Entweder sie ist total bequem, aber nicht gut zu transportieren. Oder sie ist zwar handlich, aber nicht funktional. Und bei vielen musst du das Seil noch dazu kaufen, das ist einfach ein Extraaufwand.
Wohlleber: So entstand die Idee, selbst eine Hängematte zu kreieren. Und als wir die ganze Arbeit hineingesteckt hatten, haben wir uns gedacht, vielleicht wollen andere auch so ein handliches Produkt. So kam es zu der Crowdfunding-Kampagne.

„Wir haben uns die Matte nicht aus dem Ärmel geschüttelt“

Wie lange haben Sie an Ihrer Idee gewerkelt?
Schmidt: Von der ersten Idee bis zum finalen Prototypen gut zwei Jahre. Wir haben uns die Matte jetzt nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt.
Wohlleber: Wir haben viel ausprobiert: Wie dehnbar ist das Material? Wann ist es zu dehnbar? Wie fühlt sich der Stoff auf der Haut an? Was ist die perfekte Größe? Auch die passenden Hersteller zu finden, war sehr intensiv.

Wie geht es für Sie jetzt weiter?
Schmidt: Für uns stellt sich vor allem die Frage, wie wir die Hängematte noch weiter verbessern, wie wir das Feedback unserer Kunden umsetzen. Im nächsten Jahr gucken wir dann weiter.

Herr Schmidt, Herr Wohlleber, vielen Dank für das Gespräch.