München, Oldenburg, Leipzig: Eine neue Untersuchung kürt die besten Hochschulen, um eine Firma zu starten. Die Studie zeigt: Ein langer Atem ist notwendig.

1776 Mal vom Studierenden zum Start-up-Unternehmer: So viele Gründungen aus der Hochschule heraus meldeten deutsche Unis und Fachhochschulen für das Jahr 2017. Damit hat die Zahl der registrierten Unternehmensstart deutlich zugenommen: Fünf Jahre zuvor lag sie noch bei 1145. Diese Ergebnisse liefert der jetzt veröffentlichte Gründungsradar, der vom Stifterverband und der Heinz-Nixdorf-Stiftung ausgeführt und vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird.

In die Untersuchung gingen die Angaben von 191 deutschen Hochschulen ein, an denen nach Angaben des Gründungsradars drei Viertel der Studierenden eingeschrieben sind. Die Hochschulen gaben Auskunft zu eingesetzten Personen und Finanzmitteln für die Gründungsförderung, ergänzt aus amtlichen Statistiken. Man könne sich „der Komplexität“ des Themas lediglich nähern, schreiben die Autoren auf der Webseite – und hoffen dennoch darauf, „Licht ins Dunkle” zu bringen.

Gute Gründungsförderung braucht Zeit

Um eine gewisse Vergleichbarkeit zu gewährleisten, teilt der Radar die Hochschulen in drei Größenklassen ein: Bis 5000, bis 15.000 und über 15.000 Studierende. Die Ergebnisse zeigen, dass auch in der schnellen Welt der Start-ups ein langer Atem notwendig ist, um eine wirkungsvolle Gründungsförderung zu etablieren. Zwei von drei Klassenbesten waren bereits vor fünf Jahren auf Platz eins, der dritte arbeitet sich aus der Spitzengruppe ganz nach vorne.

Bei den größten deutschen Universitäten setzt sich die Technische Universität München mit 11,8 von 12 möglichen Punkten durch. Nach eigenen Angaben konkurrieren hier mehrere Förderprogramme um angehende Gründer, bis zu 30 Start-up-Teams können parallel in einem hochschuleigenen Inkubator an ihren Ideen arbeiten. Dazu kommt, dass es eine große Nähe zum Frühphaseninvestor UVC Partners gibt.

In der Kategorie der Universitäten mit bis zu 15.000 Studierenden punktet die Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg – vor fünf Jahren siegte hier noch die Lüneburger Leuphana Universität. Die Niedersachsen schaffen es seltener in die Nachrichten der Start-up-Welt, haben aber auch ein funktionierendes Ökosystem für Gründer etabliert und gepflegt.

Bei Hochschulen mit maximal 5000 Studierenden setzt sich erneut die private Handelshochschule Leipzig (HHL) durch. Die knapp 650 Studierende dort fokussieren stark auf das Unternehmertum, die Hochschule selbst hat sich unter anderem mit ihrem angedockten Accelerator einen guten Namen in der Gründerszene verschafft.

Wichtige Unterstützung für die Hochschulen

Insgesamt registrieren die Autoren des Gründungsradars, dass sich die entsprechende Förderung an den deutschen Hochschulen etabliert hat. Große Aufgaben bleiben jedoch trotzdem: „Es ist eine große bundesweite Herausforderung, die Ressourcen für Gründungen langfristig zu sichern“, sagt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes.

Die meisten Hochschulen sind dabei auf staatliches Engagement angewiesen. Ein wichtiger Baustein könnte dabei das Exist-Gründerstipendium sein, welches junge Unternehmer bei ihrem Start aus einer Hochschule heraus finanziell fördert – das Wirtschaftsministerium hatte zuletzt angekündigt, dieses Programm aufzustocken und auszuweiten.