Wo sollten Gründer studieren? Die TU München unterstützt ihre Studenten mit Expertentipps. Der zweite Teil unserer Serie über Hochschulen für Gründungswillige.

Müssen Gründer studieren? Grundsätzlich nicht, denn Geschichten wie die von Mark Zuckerberg, Steve Jobs oder Bill Gates beweisen, dass auch Hochschulabbrecher durchaus erfolgreich sein können. Experten allerdings sehen solche Entwicklungen eher als Ausnahme und verweisen auf Studien, die besagen, dass ein Hochschulabschluss gut fürs Geschäft ist: „Wenn Sie Unternehmer werden wollen“, sagt Scott Shane, Professor an der amerikanischen Case-Western-Reserve-Universität, „dann gehen Sie zur Uni.“

Doch an welche? In Deutschland haben sich drei Hochschulen den Ruf erarbeitet angehende Gründer besonders gut zu unterstützen: die TU München, die Leuphana Universität Lüneburg und die Handelshochschule Leipzig. Was macht diese Hochschulen zu empfehlenswerten Startplätzen für Start-ups? In unserer Serie erzählen ehemalige Studierende von ihren Erfahrungen.

Im ersten Teil sprach Linh Nguyen, 31, Gründerin von Kisura von ihrem Studium an der Handelshochschule Leipzig. Heute berichtet Wolfgang Westermeier, 31, Gründer des Bier-Start-ups Braufässchen, der an der TU München Biologie und Agrarwissenschaften studierte, wie er seine Zeit an der Hochschule erlebte. 

“Es begann im vierten Semester. Damals fühlte ich mich in meinem Studium unwohl, mir fehlte die praktische Komponente. Auf der Suche nach einer Lösung stieß ich auf eine Ausschreibung der TU München und ihr Programm UnternehmerTUM. Dort können alle Studierenden, die sich für das Thema Gründung interessieren, ein eineinhalbjähriges Stipendien bekommen. Damit sollen sie nicht nur theoretisches Wissen lernen, sondern auch praktisch an einem Projekt arbeiten.

Das Auswahlverfahren läuft über mehrere Runden, auf die rund 30 Plätze kommen etwa zehn Mal so viele Bewerber. Deshalb steckte ich so viel Zeit in die Bewerbung, wie ich sie selten zuvor an der Uni investiert hatte. Die Mühe lohnte sich, denn ich ergatterte einen der begehrten Plätze. Und in meiner Gruppe lernte ich Dominik Guber und Ping Lu kennen. Mit ihnen gründete ich wenige Monate später ein Start-up.

Es begann damit, dass wir im Getränkemarkt vor dem Bierregal standen. Die üblichen Marken hatten wir bereits probiert und fanden, dass sie alle ähnlich schmeckten. Deshalb gründeten wir das Start-up Braufässchen. Auf unserer Website kann sich jeder sein individuelles Bier zusammenstellen und bekommt alle Zutaten sowie ein Bierbrauset nach Hause geliefert.

Das Programm hat uns bei der Entwicklung der Idee enorm geholfen. Wir konnten uns ein Netzwerk aufbauen, das Geschäftsmodell mit Stipendiaten und Dozenten diskutieren und unsere Prtotypen auf Veranstaltungen vorstellen.

Das war umso hilfreicher, weil keiner von uns einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund hat. Am Gründerzentrum haben wir glücklicherweise Nachhilfe von einem Berater bekommen: Wie muss ein Businessplan aussehen? Gründen wir eine UG oder eine GmbH? Und wie sieht es eigentlich mit dem Markenrecht aus?

Die Münchner Start-up-Szene kennt das Gründungszentrum, den Stipendiaten öffnen sich dadurch Türen – auch wir kamen in Kontakt zu Business Angels. Sie halfen uns schließlich mit einer Startfinanzierung.

Aber auch außerhalb des Gründungszentrums gibt es genug Experten an der Universität, die Gründern weiterhelfen können. Uns unterstützte zum Beispiel das Forschungszentrum für Brau- und Lebensmittelqualität mit technischen Ratschlägen. Die gesamte Infrastruktur der TU hat uns die Gründung spürbar erleichtert – und vielleicht am Ende sogar überhaupt erst ermöglicht.”