Welches Studium formt Unternehmer? Leipzig vernetzt seine Studenten erfolgreich. Der erste Teil unserer Serie über Hochschulen für Gründer.

Was haben Medienmogulin Oprah Winfrey, Modezar Ralph Lauren und Spotify-Gründer Daniel Ek gemeinsam? Alle sind als Unternehmer erfolgreich, keiner hat die Universität abgeschlossen. Sind Studienabbrecher deshalb die besseren Unternehmer? Weit gefehlt. Tatsächlich deuten Studien eher darauf hin, dass ein Hochschulabschluss gut fürs Geschäft ist: „Wenn Sie Unternehmer werden wollen“, sagt Scott Shane, Professor an der amerikanischen Case-Western-Reserve-Universität, „dann gehen Sie zur Uni.“

Glaubt man einer aktuellen Studie des Stifterverbandes und der Nixdorf Stiftung, dann sind in Deutschland vor allem drei Hochschulen führend in Sachen Gründergeist: die TU München, die Leuphana Universität Lüneburg und die Handelshochschule Leipzig. Was macht diese Hochschulen zu Startplätzen für Start-ups? In unserer Serie erzählen drei Gründer von ihren Erfahrungen.

Linh Nguyen, 31, Gründerin von Kisura, studierte Finance und strategisches Management an der Handelshochschule Leipzig

Zu Beginn des Studiums wollte ich Investmentbankerin oder Strategieberaterin werden. Dann wechselte ich von der Universität Leipzig, die mir zu theoretisch ausgelegt war, an die praxisnahe Handelshochschule Leipzig (HHL). Und dort gerieten meine Vorstellungen durcheinander.

Ein Unternehmen zu gründen, ein Produkt zu kreieren und damit Arbeitsplätze zu schaffen, als Unternehmer Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen und soziale Verantwortung zu tragen – an all das hatte ich vorher nie gedacht.

An der HHL lernte ich außerdem meine Kommilitonin Tanja Bogumil kennen. Schnell war uns klar, dass wir zusammenpassen – als Freunde und als Geschäftspartner. Wir beschlossen, eines Tages gemeinsam zu gründen. Daraus entstand einige Jahre später unser Start-up Kisura, eine Personal-Shopping-Plattform für Frauen.

Die HHL hat viele bekannte Unternehmer hervorgebracht, die heute zum großen Alumni-Netzwerk gehören. Lukasz Gadowski von Spreadshirt zum Beispiel oder Dirk Graber von Mister Spex. Sie während meines Studiums zu treffen, ihre Geschichte zu hören, ihre Motivation zu spüren, war unheimlich inspirierend. Aber auch von ihren Fehlern zu erfahren und festzustellen, dass Gründer nie Planungssicherheit und Gewissheit haben. Das hat mir bei meiner eigenen Entwicklung enorm geholfen: Alles startet mit einer kleinen Idee, aber daraus kann Großes entstehen.

„Ohne die HHL wäre ich nicht meine eigene Chefin“

Von dem Netzwerk profitieren wir auch heute noch, etwa wenn wir Mitarbeiter suchen. Alle HHL-Gründer vermitteln sich untereinander fähige Köpfe, oft sind diese auch ehemalige Studenten der Hochschule.

Ohne das Studium an der HHL wäre ich nicht meine eigene Chefin, sondern würde vermutlich im Controlling einer großen Bank arbeiten. Der Wechsel an die Hochschule hat eine Tür aufgestoßen, von der ich damals noch gar nicht wusste, was sich dahinter befindet – und dass ich durchgehen muss, um das zu tun, was mir die größte Freude bereitet und mich erfüllt.

Die Handelshochschule Leipzig ist eine private, staatlich anerkannte Hochschule mit 650 Studierenden. Der Anteil an internationalen Studierenden liegt nach eigener Aussage bei 35 Prozent. Sie wirbt damit, dass ihre Alumni bereits mehr als 160 Start-ups gegründet haben.