Carsten Mahrenholz, Gründer von Coldplasmatech, will Verletzungen heilen – mit einem leuchtenden Gas.

Soll keiner sagen, Science-Fiction werde niemals Realität. Bislang war es eine futuristische Vision à la „Star Trek“, Hautverletzungen einfach mit besonderem Licht zu verschließen. Nun hat ein Team in Greifswald tatsächlich eine Technologie entwickelt, die dieser Vision erstaunlich nahe kommt: ein etwa DIN A4 großes, durchsichtiges Stück Silikon, das per Kabel mit einem Würfel verbunden ist. Wenn Carsten Mahrenholz das Hightechpflaster auf einen Arm legt und den Knopf drückt, leuchtet es darunter violett auf. „Kaltes Plasma“, sagt der Gründer des Start-ups Coldplasmatech, ein Spin-off des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und -technologie.

Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Plasma um elektrisch aufgeladenes Gas. Mahrenholz hat eine Box konstruiert, die Energie erzeugt und in die Silikonauflage leitet. Dort wird Gas aufgeladen und in Plasma verwandelt. Das gelangt in die Wunde – und leistet dort erstaunliche Dienste: „Das Plasma regt zum einen die Regeneration von Zellen an und setzt die Wundheilung in Gang“, sagt Mahrenholz, „zum anderen tötet es auch Bakterien ab.“

Dieser Effekt könnte dabei helfen, ein großes Problem zu lösen: Denn vor allem multiresistente Keime sind besonders tückisch, da es kaum noch Medikamente dagegen gibt – und Plasma zerstört selbst diese Erreger.

Hilfe für vier Millionen Menschen

Das Hauptanwendungsfeld sind jedoch chronische Wunden. Allein in Deutschland leiden darunter Schätzungen zufolge mehr als vier Millionen Menschen, die Kosten für die Behandlung summieren sich pro Jahr auf sechs Milliarden Euro.

Eigentlich wollte Mahrenholz die Wundauflage schon in diesem Jahr auf den Markt bringen, das Produkt steckt derzeit allerdings noch im Zulassungsverfahren. Im kommenden Jahr will das Start-up die Produktion und Studien mit Krankenkassen starten, Mahrenholz arbeitet unter anderem mit dem Münchner Silikonspezialisten Wacker Chemie zusammen. Der Gründer hat bereits diverse Preise und Wettbewerbe gewonnen – hält sein Produkt, was er verspricht, hat er sich die Vorschusslorbeeren sicher verdient.

Steckbrief

Coldplasmatech
Gründer Tobias Güra, René Bussiahn, Stephan Krafczyk, Carsten Mahrenholz
Gründung 2015
Mitarbeiter 6
Finanzierung eine Million Euro vom Exist-Forschungstransfer und dem Business Angel Alfred Möckel, derzeit läuft die Suche nach weiteren Geldgebern