Hellofresh hat am Wochenende seinen gerade erst angekündigten Börsengang verschoben. Warum nicht nur die Absage selbst, sondern auch die Begründung überrascht.

Es schien das schnelle Einlösen eines erst vor kurzem angekündigten Versprechens: Vor anderthalb Wochen kündigte Hellofresh seinen Börsengang an. Mit dem Kochbox-Abodienst wollte Rocket Internet eine seiner größten Start-up-Hoffnungen auf das Frankfurter Parkett bringen. Damit hätte der Samwersche Inkubator überraschend schnell sein Versprechen von Ende September eingelöst, binnen der nächsten 18 Monate eines seiner Unternehmen börsentauglich zu machen.

Doch daraus wird nun nichts. Am Samstag berichtete Bloomberg mit Verweis auf unterrichtete Kreise, dass Hellofresh seinen Börsengang „wegen der Marktvolatilität“ verschiebe. Eine Sprecherin bestätigte den Bericht. Das Unternehmen sei nach der Finanzierungsrunde im September noch gut aufgestellt, sagte sie gegenüber des Onlineportals „Gründerszene“. Man warte ein besseres Marktumfeld ab.

Bei Bloomberg hieß es, das Start-up sorge sich um die Nachfrage und seine Bewertung. Es ist nicht die erste IPO-Absage im Gründerumfeld in diesem Jahr: Auch die German Start-ups Group musste ihren Börsengang im Juli vorerst ablasen. In Frankreich hatte kürzlich der Musikdienst Deezer seinen Sprung auf das Börsenparkett ebenfalls kurzfristig unterlassen.

Hellofresh zu hoch bewertet?

Allerdings gibt es zwischen den Fällen massive Unterschiede. Als die German Start-ups Group an die Börse wollte, spitzte sich die Griechenland-Krise gerade unerwartet zu. Deezer begründete seine Absage zwar ähnlich wie Hellofresh mit dem Marktumfeld, allerdings hatte die Aktie des Konkurrenten Pandora kurz zuvor auch 36 Prozent verloren.

Anders als die beiden vorigen Beispiele hat Hellofresh hingegen seinen Börsengang in einer Zeit angekündigt, in denen die Stimmung auf dem Aktienmarkt wieder deutlich steigt: Seit Anfang Oktober hat sich der Dax extrem positiv entwickelt, kletterte binnen weniger Wochen von 9500 Punkten auf derzeit nahezu 11.000 Punkte – und das wohlgemerkt trotz der Abgas-Affäre um Volkswagen. „Marktvolatilität“ sieht anders aus.