Hellofresh-Gründer Dominik Richter spricht mit uns über die Börsengang-Pläne, die Aussicht auf Profitabilität und den mutmaßlichen Streit zwischen Rocket und Kinnevik.

Für Hellofresh war 2015 ein aufregendes Jahr: Millionenfinanzierungsrunden, Aufstieg in den Club der Einhörner, Börsengangpläne, 350 Prozent Umsatzwachstum in den ersten neun Monaten. Gleichzeitig gab es auch Berichte darüber, dass der IPO nicht nur wegen des Marktumfelds abgesagt wurde – wie es offiziell hieß –, sondern auch wegen der hohen Bewertung und Streit bei Rocket Internet. WiWo Gründer hat bei Hellofresh-Chef Dominik Richter nachgefragt, was an den Gerüchten dran ist. 

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Richter, Sie haben im November einen Börsengang angekündigt und dann doch verschoben. Wie stehen die Pläne aktuell?
Dominik Richter: Es gibt sie noch.

Und wann wollen Sie sie umsetzen?
Wir beobachten das Marktumfeld und warten auf bessere Bedingungen. Das Schöne ist, dass wir keinen Druck haben, weil wir eine gute Kapitalausstattung besitzen. Wenn wir denken, dass das Marktumfeld passt, sind wir in einer Position, in der wir schnell handeln können.

Als Sie im November Ihre Pläne bekannt gegeben haben, war das Marktumfeld doch gar nicht so schlecht – der Dax befand sich gerade auf einem Höhenflug.
Man muss unterscheiden zwischen IPO-Märkten und den generellen Indizes. Es gab zu dem Zeitpunkt, als wir uns entscheiden mussten, ob wir mit der tatsächlichen Vermarktung starten wollten, eine ganze Reihe von deutschen und internationalen Börsenkandidaten, die ihren IPO deutlich restrukturieren mussten, zum Beispiel Covestro, Schaeffler oder Hapag Lloyd.

Aber die Indizes und die IPO-Märkte hängen doch zusammen.
Es sind aber unterschiedliche Arten von Investoren. Es gibt Investoren, die ihr Geld in eher risikobehaftete Unternehmungen stecken, und es gibt Investoren, die stark auf Indizes setzen. Und das vergangene Jahr war kein gutes Jahr für Börsengänge.

„Ich wüsste nicht, was ein Streit für einen Einfluss gehabt haben sollte“

Niklas Östberg, Geschäftsführer von Delivery Hero, hat der WirtschaftsWoche einmal gesagt, den Zeitpunkt des Börsengangs entscheide er, da könne Oliver Samwer Druck machen, wie er wolle. Sehen Sie das bei Hellofresh ähnlich?
Die Frage überrascht mich. Rocket Internet sitzt bei uns im Aufsichtsrat, verfügt dort aber über keine Mehrheit, sondern hat einen von sechs Sitzen. Für uns ist es natürlich wichtig, gut mit dem Aufsichtsrat zusammenzuarbeiten, auch wenn es manchmal zu unterschiedlichen Meinungen kommt. Schlussendlich ist Hellofresh aber eine Firma, die wir gegründet haben, dementsprechend müssen wir Gründer uns mit jeder Entscheidung wohlfühlen.

Rocket Internet hält 56 Prozent der Anteile an Hellofresh, damit hat die Start-up-Schmiede doch die Mehrheit. Und Sie sagen, sie habe gar keinen Einfluss auf so eine wichtige Entscheidung?
Alle wichtigen Entscheidungen werden vom Aufsichtsrat und dem Vorstand gemeinsam getroffen. Das ist gute Corporate Governance.

Laut Medienberichten soll aber ein Streit von Kinnevik und Rocket Internet überhaupt erst Auslöser für die Verschiebung des Börsengangs gewesen sein.
Dazu kann ich nichts sagen. Davon habe ich aus der Zeitung erfahren. Kinnevik ist kein Investor bei uns. Ich wüsste nicht, was ein Streit zwischen Rocket und Kinnevik für einen Einfluss auf unsere Entscheidung gehabt haben sollte.