HackFwd-Gründer Lars Hinrichs und Florian Schweitzer vom Investoren-Netzwerk b-to-v erklären, worauf es beim Exit ankommt und weshalb sie von einem neuen Börsensegment für Startups und vom Investitionszuschuss für Wagniskapitalgeber wenig halten

coverAlles oder nichts: Manche Gründer macht der Verkauf ihrer Firma zu Millionären, manche rettet er vor dem Ruin. Um einen guten Schnitt zu machen, sollten Jungunternehmer schon früh die Weichen stellen: Vernetzte Geldgeber sind dabei genauso wichtig wie wasserdichte Verträge.
Mehr zum Thema Exit und zur Diskussion um ein neues Börsensegment für Startups in der aktuellen WirtschaftsWoche.

Herr Hinrichs, seit Kurzem nehmen Sie keine neuen Startups mehr in Ihren Inkubator HackFwd auf. Auf der Webseite schreiben Sie, dass Sie „am Ende nur an einer Größe gemessen werden – dem Exit“. Ärgert sie diese Fixiertheit auf Exits in der Gründerszene?

Hinrichs: Überhaupt nicht, weil es das Geschäftsmodell eines Investors ist.

Ein Teil Ihres Fazits lautet: Sie haben die Zeit bis zum Exit unterschätzt. Wie konnte das passieren?

Hinrichs: Das ist nicht ganz richtig. Im Vergleich zu den USA gibt es in Europa kein Acqui-Hiring, also Talent Acquisition durch Übernahme. Damit haben wir gerechnet.

“Die besten Gründer denken anfangs überhaupt nicht ans Verkaufen”

Herr Schweitzer, Sie finanzieren mit b-to-v Partners reihenweise junge Unternehmen. Wie viele Gedanken machen Sie sich über den Exit, wenn Sie investieren?

Schweitzer: Wir überlegen uns, welche Perspektiven ein Unternehmen hat. Wir versuchen herauszufinden, ob die Gründer ihr Lebenswerk schaffen wollen und ob sie das können – oder ob sie eigentlich aufbauen, schnell verkaufen und zu Geld kommen wollen. Lieber sind uns diejenigen, die es ernst meinen und nachhaltigen Erfolg wollen.

Hinrichs: Die besten Gründer denken anfangs überhaupt nicht ans Verkaufen. Ähnlich ist es auf Investorenseite: Es gibt Geldgeber, die ihre Investments ausschließlich nach den Exit-Möglichkeiten aussuchen – und es gibt solche, die eher langfristig denken und vernünftige Unternehmen aufbauen wollen. Ich denke eher langfristig – aber wenn ich einen guten Exit sehe, beschleunige ich den Prozess wie ein Katalysator.

Im April hat das US-Unternehmen Fab das Hamburger Startup Massivkonzept übernommen – keine 100 Tage, nachdem Sie über b-to-v eingestiegen sind. Wer war da der Katalysator?

Schweitzer: Wir waren gerade in Hamburg, um Massivkonzept auf Herz und Nieren zu prüfen. Weil ich dachte, das Unternehmen könnte Lars interessieren, habe ich ihn dazu geholt – wir kennen uns schon lange und er hat in unseren Risikokapitalfons investiert.

Hinrichs: Als ich die Massivkonzept-Gründer Daniel Kollmann und Christoph Jung dann getroffen habe, habe ich den Namen Massivkonzept schon gar nicht mehr gesehen, sondern nur noch Fab. Mir war sofort klar: Das wäre ein perfektes Gespann. Also habe ich Jason Goldberg angerufen.

Woher kennen Sie den Fab-Gründer?

Hinrichs: Vor ein paar Jahren habe ich mit Xing Goldbergs erste Firma gekauft und ihn nach Hamburg geholt. Schon damals habe ich ihm gesagt: Wenn du etwas Neues gründest, bin ich auf jeden Fall dabei – egal was es ist. Was der anfasst funktioniert einfach. So wurde ich einer der ersten Investoren von Fab, das sich ausgezeichnet entwickelt – auch weil Goldberg sich nicht zu schade ist, die Fahrtrichtung zu ändern, wenn er sieht, dass er anders schneller voran kommt.

Schweitzer: Je jünger ein Startup, umso mehr hängt es von den Gründerpersönlichkeiten ab, ob wir uns beteiligen. Wenn man sich kennt und vertraut fällt die Entscheidung deutlich leichter. Das gilt übrigens auch für den Verkauf: Gute Exits kommen in der Regel immer über Netzwerke zustande.

Einigt man sich dann auch schneller auf einen Preis – oder wird auch dann hart verhandelt, wenn man sich kennt?

Schweitzer: Verhandelt wird immer. Aber wenn man sich kennt wissen beide Seiten besser, was die andere Wert ist – und finden so schneller zusammen.

Hinrichs: Die Massivkonzept-Gründer und Jason Goldberg von Fab haben auch verhandelt. Aber die haben früh gesehen, was sie in Zukunft noch zusammen erreichen können – das hat die Einigung deutlich einfacher gemacht.

“Wir sind die Guten”

Was, wenn Gründer und Investoren nicht einer Meinung sind – wer sitzt am längeren Hebel?

Schweitzer: Es gibt immer wieder Fälle, in denen die Investoren den Exit mehr wollen als die Gründer. Dann müssen sie die Gründer überzeugen. Zwang und rechtliche Instrumente sind die schlechteste Lösung – und funktionieren auch nicht. Wenn die Gründer nicht freiwillig mitgehen wird ein Verkauf nicht gut laufen.

Hinrichs: Manche Investoren versuchen, für diesen Fall mit so genannten Drag-Along-Klauseln vorzusorgen: Dann können sie Gründer zum Verkauf zwingen, auch wenn sie eigentlich nur eine Minderheit am Unternehmen besitzen. Das ist eine sehr böswillige Klausel. Wir machen das nicht – wir sind die Guten. Bei uns gilt: Nur wenn die Mehrheit der Gesellschafter für den Verkauf ist muss sich die Minderheit beugen.

Die Übernahme von Massivkonzept durch Fab lief also reibungslos…?

Schweitzer: So gut wie. Nur am deutschen Steuersystem wäre der Deal fast gescheitert. Weil die Gründer Fab-Aktien im Tausch gegen Massivkonzept erhalten haben waren sie auf einmal reich – jedenfalls auf dem Papier. Diesen Buchgewinn mussten sie wie Einkommen versteuern, hatten aber natürlich nicht genug Geld, um die Steuern zu bezahlen. Sie haben von Fab.com ja nur Aktien bekommen, kein Cash.

Hinrichs: Das Problem hat schon so manchen Gründer in die Privatinsolvenz getrieben. Im Massivkonzept-Fall ließ sich das nur lösen, indem wir den Massivkonzept-Gründern einen Teil ihrer Fab-Aktien gleich wieder abgekauft haben, damit sie ihre Steuern zahlen können. So sollte es eigentlich nicht sein. Zusammen mit anderen Unternehmern mache ich mich mit dem Startup Manifesto dafür stark, das zu ändern.

Aktuell fordern viele Gründer ein neues Börsensegment, das jungen Firmen Börsengänge erleichtern soll. Auch Noch-Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler unterstützt die Idee. Was halten Sie von dem Plan?

Hinrichs: Das ganze Gerede vom „neuen Neuen Markt“ ist doch Quatsch. Es gibt einen Entry Standard an der Deutschen Börse – wenn der nicht genutzt wird ist das doch ein deutliches Signal, dass viele Unternehmen keinen Börsengang anstreben.

Rösler hat sich nicht nur für ein Neues Bösensegment stark gemacht, er hat die Gründerszene um sich geschart wie kein anderer Minister vor ihm, für Unternehmertum geworben und einen Investitionszuschuss für Wagniskapitalgeber ins Leben gerufen. Wie bewerten Sie diese Schritte?

Schweitzer: Der Zuschuss verzerrt nicht nur das Marktergebnis, er bringt vermögenden Leuten auch noch einen Bonus: Sie bekommen 20 Prozent ihres Investments zurück. Anders als etwa das Angebot der KfW, das sehr sinnvoll ist und exzellent ausgeführt wird, belohnt der Zuschuss die falschen – wer sinnvoll investiert, braucht das Geld nicht. Es wundert mich sehr, dass sich ausgerechnet ein Liberaler so etwas ausdenkt.

Hinrichs: Abgesehen davon ist es nicht Aufgabe der Politik für mehr Unternehmertum zu werben. Das sollten Unternehmer machen – das ist einfach überzeugender.

lhLars Hinrichs finanziert über die Investmentfirma Cinco Capital junge Unternehmen und hat den Inkubator HackFwd ins Leben gerufen, mit dem er 16 Tech-Startups aufbaut. Kürzlich gab er bekannt, dass HackFwd keine weiteren Startups mehr aufnimmt. Bekannt wurde Hinrichs mit dem Unternehmen Xing, das er 2003 gründete und später an die Börse brachte.
fs
Florian Schweitzer hat b-to-v Partners in St. Gallen mitaufgebaut. b-to-v ist ein Netzwerk, in dem sich rund 200 unternehmerische Privatinvestoren zusammengeschlossen haben. Außerdem betreibt b-to-v einen Fonds, der Gründer finanziert. Schweitzer ist Jurymitglied des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs.

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