Sie haben keine Angst vor Unsicherheit und sind ein guter Netzwerker? Dann sind Sie laut einer neuen Harvard-Studie der optimale Gründer.

Sollte es sie wirklich geben? Die geheime Formel, die über Erfolg oder Misserfolg von Gründern entscheidet? Keine Frage: Viele wüssten gerne, welches Geheimrezept unternehmerischen Erfolg garantiert.

Ist es die technische Brillanz von Bill Gates? Das Erkennen der Kunden-und Nutzerbedürfnisse, wie Steve Jobs es virtuos vormachte? Oder hängt alles zusammen mit den Erfahrungen, der Ausbildung oder den Lebensumständen, in denen sich der angehende Unternehmer zum Zeitpunkt der Gründung befindet, und die darüber entscheiden mit welcher Selbstsicherheit er oder sie zu Werke geht?

Antworten auf diese Fragen suchte nun ein Forschertrio von der Harvard Business School. Lynda Applegate, Janet Kraus und Timothy Butler wollten herausfinden, welche Fähigkeiten und Eigenschaften einen guten Unternehmer ausmachen. Für ihre Studie befragten sie nicht nur Gründer, sondern auch deren Umfeld, Freunde und Mitarbeiter.

In einer Pilotstudie legten sie 1300 Harvard-Absolventen unter anderem folgende Fragen vor:

  1. Erkennen Sie eine potenzielle Geschäftsoption?
  2. Können Sie andere Menschen von sich und Ihren Ideen überzeugen und ein Team motivieren?
  3. Wie gehen Sie mit beruflichen Unsicherheiten um?
  4. Gelingt es Ihnen, effiziente Entscheidungen zu treffen – selbst dann, wenn die Informationslage nicht besonders gut ist?
  5. Sind Sie ein guter Netzwerker?
  6. Wie sieht es mit Ihren Fähigkeiten als Verkäufer aus?
  7. Bevorzugen Sie etablierte Strukturen oder möchten Sie selbst diese Strukturen erst schaffen, auch wenn das bedeutet, dass Sie diese immer wieder anpassen müssen?

Das Ergebnis: Gründer reagierten besonders positiv auf die Frage nach dem Umgang mit Unsicherheiten – offenbar konnten sie damit gut leben. Außerdem betonten sie, dass sie potenzielle Geschäftsoptionen erkennen und andere Menschen positiv beeinflussen könnten. Auch im Bilden von Netzwerken und im Bereich Finanzen und Management schätzten sie sich als stark ein. Ablehnend dagegen waren sie gegenüber festen Strukturen.

Männliche und weibliche Gründer tickten zwar in vielerlei Hinsicht gleich. Doch Männer betonten vor allem ihre Fähigkeit in Sachen Finanzen und dass sie kein Problem im Umgang mit Unsicherheiten hätten. Frauen hingegen waren vor allem selbstsicher im Hinblick auf Fähigkeit, andere positiv zu beeinflussen.

Das Forschertrio will künftig noch mehr Gründer befragen, um noch mehr Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken – etwa zwischen Frauen und Männern oder Serien- und Einmalgründer: Auch wenn die Daten noch vorläufig sind, so geben sie doch ein gutes erstes Bild. „Offenbar genießen es Seriengründer geradezu, Risiken einzugehen”, sagt Janet Krauss, „weil sie genug Selbstvertrauen haben, um mit Unsicherheit umzugehen.“