Wagniskapitalgeber trauten sich lange nicht an Hardware-Start-ups. Warum sich das nun ändert und welche Rolle dabei das Konzept Hardware-as-a-Service spielt, erklärt Investor Rodrigo Martinez von Point Nine Capital. 

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Einmal im Monat schreiben Pawel Chudzinski, Christoph Janz, Nicolas Wittenborn und Rodrigo Martinez vom Wagniskapitalgeber Point Nine Capital, was Investoren bewegt. Point Nine hat unter anderem in Mister Spex, Kreditech oder Helpling investiert.

Von Rodrigo Martinez

Innovationen laufen historisch immer in Wellen ab:

1970er: Alles drehte sich um PCs – Intel (1968), Microsoft (1975), Apple (1976)  und Unternehmenssoftware –  Oracle (1977), SAP (1972)

1980er: Hardware im Kommunikationsbereich – Cisco (1984), Qualcomm (1984)

1990er: Consumer Internet – Google (1998), Amazon (1994), Yahoo (1994)

2005er: Social – Facebook (2004), Twitter (2006)

Der Job eines Investors ist es herauszufinden, welche Unternehmen die nächste Innovationswelle prägen werden – um dann als nächsten Schritt in diese zu investieren. Ist Software-as-a-Service noch angesagt? Mobile? Big Data? Es ist nicht einfach vorher zu sehen, wo und wie das nächste 100-Milliarden-Geschäft entsteht.

Könnte es wieder Hardware sein?

Wenn man Hardware mit Software vergleicht, wird schnell klar, warum es mit Hardware so schwierig ist:

Längere und teure Entwicklungszyklen:

Bei Software kann man schnell Prototypen entwickeln und diese auch mit wenig Kapital mehrfach optimieren – manchmal genügt dafür schon ein einzelner Entwickler. Bei Hardware werden physische Produkte entwickelt. Dafür sind im Vorfeld höhere Investitionen nötig und die Entwicklungszyklen sind deutlich länger.

Kundenfeedback ist schwer zu bekommen:

Softwarefirmen können eine Webseite aufsetzen, Werbung schalten und können dank der Erkenntnisse des Besucherverhaltens auf der Seite diese entsprechend anpassen. Bei Hardware ist es viel schwieriger Nutzer-Feedback zu bekommen, um das Produkt und die Werbung dafür zu optimieren. Denn selbst wenn es gelingen sollte, einen Prototypen zu bauen, stellt sich die Frage, wie man diesen tausenden potentiellen Kunden zugänglich machen kann.

Besondere Skills:

Das Gründerteam ist immer der Schlüssel für den Erfolg eines Start-ups. Eine Softwarefirma kann mit Talenten aus drei Bereichen gestartet werden: Produkt, Marketing, Vertrieb. Hardware erfordert dagegen einen besonderen Grad an Vielfalt, was dazu führt, dass solche Unternehmen vom ersten Tag an größer und kapitalintensiver sind: Denn neben Leuten für Marketing oder Vertrieb braucht es Spezialisten für Produktdesign, Elektrotechnik usw.

Niedrige Margen:

Bei Software verursachen Server und externe Dienstleistungen die höchsten Kosten. Bei Hardware muss man dagegen einkalkulieren, dass ein großer Teil des Verkaufspreises dafür aufgewendet wird, Hersteller, Transportfirmen und Händler zu bezahlen.

Hoher Kapitalbedarf im Voraus:

Bei Hardware-Investments ist zusätzlich Geduld nötig: Es braucht nicht nur Zeit und Geld, um ein Produkt zu entwickeln, man muss auch in Vorleistung treten, um Vertriebskanäle zu erschließen. Man muss Geld investieren, um das Produkt an Händlerliefern zu können, diese jedoch zahlen frühestens nach 30 Tagen.