Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besuchte Start-ups in Köln. Dabei outete sie sich als Fan von Golf und einer Vox-Show – jedoch nicht der “Höhle der Löwen”.

Die Aufregung im Kölner Startplatz war wenige Minuten vor dem Besuch von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft deutlich zu spüren: Letzte Abssprachen wurden getroffen, eilig dreckige Kaffeetassen weggeräumt, das Obst in der Schale noch einmal gerichtet. Immerhin eine Stunde wollte die Ministerpräsidentin bleiben und sich in einer der wichtigsten Anlaufstellen für junge Gründer umschauen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Es wurden sogar zwei daraus und ihr Terminkalender kräftig durcheinander gewirbelt.

Schon der Rundgang durch die zwei Etagen des Startplatz dauert fast doppelt so lange wie geplant, aber die Ministerpräsidentin zeigte sich höchst interessiert und fragte häufig nach, wenn ihr das Geschäftsmodell noch nicht ganz klar war oder sie ganz genau wissen wolle, wie das Start-up zukünftig Geld verdienen will – und glänzt dabei auch mit Expertenwissen, etwa wenn es um das Thema Golf geht.

“Ich schaue abends ganz gerne mal Golf”

Beim Kölner Start-up Golfpost, ein Online-Magazin rund um den Sport, bekannte sie: “Ich schaue abends ganz gerne mal Golf”, sagte die Ministerpräsidentin. Prompt musste sie ihr Können unter Beweis stellen und brauchte nur zwei Versuche, um den Ball einzulochen. “Nach der Politik spiele ich vielleicht Golf, aber ich bin eigentlich gelernte Handballerin,” sagte sie schmunzelnd. Sie finde aber gut, dass der Sport draußen ist. Neben langen Spaziergängen mit dem Hund ist Hannelore Kraft auch die Ernährung wichtig – am besten Bio sollte es sein. Das findet sich etwa in der Bauerntüte, einem Start-up, das Obst und Gemüse von Bauern der Region verpackt und schließlich ausgeliefert wird.

In einem fünfminütigen Pitch stellte sich auch das Vorzeigestart-up des Startplatzes, Crowdfox, der Ministerpräsidentin vor. Das Start-up will eine Alternative zuEbay und Amazon sein: Mit dieser vollmundigen Ankündigung ist Crowdfox im Dezember 2015 in Deutschland offiziell an den Start gegangen, wurde aber bereits 2014 gegründet. Das Start-up bietet auf einem Online-Marktplatz alle Produkte zehn Prozent günstiger als bei Amazon. Für Händler ist das Verkaufen kostenlos – es gibt weder eine Verkaufsprovision noch Listinggebühren. Besonderes Interesse zeigte Hannelore Kraft auch an Homeday. Die ehemaligen Simfy-Macher setzen inzwischen auf Immobilien und empfehlen mit ihrem 2014 gegründeten Start-up Makler. Die Ministerpräsidentin outete sich auch prompt als Fan der Sendung “Mieten, Kaufen, Wohnen”, die werktäglich auf Vox läuft. “Ich schaue sie allerdings nur dann, wenn ich abends zufällig zuhause bin und Zeit habe.”

Die Startup-Szene, wie sie etwa im Kölner Inkubator anzutreffen ist, sei wichtig für die Entwicklung der Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung strebt mit ihrer Strategie für die digitale Wirtschaft ohne eine bessere Vernetzung der Akteure in der Digitalen Wirtschaft an. Der Startplatz wurde 2012 von Lorenz und Matthias Gräf in Köln gegründet, seit 2015 gibt es auch einen Standort im Düsseldorfer Medienhafen.