Das Start-up sagt mit Sensoren den Keimen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen den Kampf an. Zwei neue Gesellschafter helfen, den Vertrieb nach vorne zu bringen.

Desinfektionsmittel ist genügend da – die Disziplin, es auch regelmäßig zu nutzen, nicht immer: Um eine Übersicht über diesen Routineprozess in Krankenhäusern und Altenheimen zu erhalten, setzt das Stralsunder Start-up GWA Hygiene auf eine Mischung aus Hardware und Software. Der Münchener Risikokapitalgeber MIG AG und der halbstaatliche Frühphaseninvestor High-Tech Gründerfonds (HTGF) investieren jetzt gemeinsam mit privaten Geldgebern rund 2,5 Millionen Euro in das junge Unternehmen.

Die Beobachtung, die zur Gründung des Start-ups führte, liegt dabei schon eine Weile zurück: 2013 lag Maik Gronau selbst im Krankenhaus – und sah, wie unterschiedlich häufig Ärzte und Pflegepersonal Desinfektionsmittel nutzten. 2015 startete er dann mit Mitstreitern GWA Hygiene. Das Start-up stattet bestehende Spender mit Sensoren aus, die messen, wann und wie oft sie betätigt werden.

Desinfektionsprotokoll im Detail

Gleichzeitig werden die Mitarbeiter mit Bluetooth-fähigen Transpondern ausgerüstet, die mit den Spendern kommunizieren. So entstehen in einer selbst programmierten Software Übersichten, wo Schulungsbedarf besteht. Um den Datenschutz zu gewährleisten, werden die Ergebnisse nicht persönlich, sondern aggregiert nach Berufsgruppen aufgeführt.

Geld verdienen will GWA Hygiene über eine regelmäßige Gebühr, die abhängig von der Größe der Einrichtung ist – die ebenfalls selbst entwickelte Hardware ist dabei inklusive. Aktuell ist das System nach eigenen Angaben in etwa 15 Einrichtungen im Einsatz, darunter Kliniken, Altenheime und private Intensivpflegestationen. Mit Blick auf die Vielzahl von Krankenhausbetten und Pflegeplätzen im Land sieht MIG-AG-Partner Jürgen Kosch jedoch ein „signifikantes Marktpotenzial“ der GWA-Lösung.

Viel Kraft in den Vertrieb

Den Investoren sagt vor allem die vergleichsweise simple Integration in den medizinischen Alltag zu: „Nur Produkte, die sich einfach in vorhandenen Systeme und Prozesse integrieren, können zur Verbesserung der Hygiene führen“, sagt Anke Caßing, Investmentmanagerin des HTGF.

Mit dem neu eingeworbenen Investment will das Start-up jetzt vor allem in den Vertrieb investieren. Aktuell ist nur ein kleiner Teil des 21-köpfigen Teams mit dem Thema beschäftigt. Doch auch aus dem europäischen Ausland gibt es bereits Anfragen, zudem sollen auch Kooperationen mit Herstellern von Desinfektionsmitteln oder den jeweiligen Spendern aufgebaut werden. Sogar für das USA-Programm des German Acclerators Tech wurde das Start-up im vergangenen Jahr ausgewählt. „Nachdem wir bereits in anderen Ländern einen Fuß in die Tür gesetzt haben, können wir dort nun mit Rückenwind durchstarten und unser IoT-System positionieren“, sagt Mitgründer Tobias Gebhardt.