Wie kommen wir auf neue Ideen? Indem wir die Perspektive ändern! In seiner Kolumne erklärt Günter Faltin, wie das funktioniert – und wie der Blickwechsel Entrepreneuren helfen kann. 

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Einmal im Monat analysiert Günter Faltin, emerierter Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin und Autor von Büchern wie „Wir sind das Kapital“, die Start-up-Szene. In seiner Kolumne erklärt der Professor dieses Mal, wie Gründer die Perspektive wechseln können.

Von Günter Faltin

Neue Sichtachsen legen heißt, die Perspektiven wechseln. Das unternehmerische Konzept von anderen Blickwinkeln aus beleuchten. Dafür müssen wir Abstand gewinnen, um den Gegenstand richtig erkennen zu können. Wir dürfen nicht zu nahe dran sein, nicht zu erfahren, nicht zu sehr Experte sein. Nichts gegen Nähe und unmittelbare Erfahrung – es ist aber hilfreich, ein paar Schritte zurückzutreten und etwas mit Distanz zu betrachten. Wir können uns dies an einem Bild verständlich machen.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Sprung von zwei Metern tun. Wenn Sie einfach dort, wo Sie stehen, losspringen, werden Sie nicht erfolgreich sein. Zwei Meter sind einfach zu weit. Anders, wenn Sie einige Schritte zurücktreten und dann Anlauf nehmen. Plötzlich sind zwei Meter gar kein Problem mehr. Sie werden wahrscheinlich sogar drei oder vier Meter springen können.

Ein Hut, der sich bewegt

Es ist hilfreich, möglichst viele Sichtachsen zu entwickeln, aus möglichst vielen Perspektiven auf die Aufgabe, die Sie sich gesetzt haben, zu blicken. Je mehr Sichtachsen Sie finden, desto besser.

Pferderennen in Ascot. Ein berühmter Ort in England, das Rennen ein legendäres jährliches Ereignis. Wofür bekannt? Nicht so sehr für die Pferde. Die Augen der Besucher und der Fotografen richten sich auf die Kopfbedeckungen der englischen Oberschicht und ihrer Gäste. Es seien die originellsten Hutkreationen der Modewelt, heißt es. Witzig, farbig, formenreich. Von der Statik her anspruchsvoll. Unterschiedlichste Materialien. Keine Idee, so scheint es, die nicht schon ausprobiert worden wäre.

Können wir da mithalten? Wo die kreativsten Köpfe der Hutkünstler seit Jahren an neuen Kreationen tüfteln? Sehen wir uns das Ganze unter dem Aspekt Sichtachsen an. Sie werden feststellen: Die Hutobjekte spielen mit den Sichtachsen Farbe, Form und Materialien. Könnte man sich nicht auch andere Sichtachsen denken?