Der lange und beschwerliche Weg hin zum ausgereiften Konzept lohnt sich, schreibt Günter Faltin. Warum Ideen Zeit brauchen, erklärt er in seiner Kolumne.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Einmal im Monat analysiert Günter Faltin, emerierter Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin und Autor von Büchern wie „Wir sind das Kapital“, die Start-up-Szene. Zum Auftakt erklärt der Professor, warum ein Gründer nicht alles können muss.

Von Günter Faltin

Es ist in höchstem Maße befriedigend, ein Entrepreneurial Design zu haben, das das Potenzial der eigenen Person berücksichtigt: Das etwas Originales entwickelt, das Alleinstellungsmerkmale besser herausarbeitet als ein erster Einfall und das sich einem Anliegen widmet, das anerkennenswerter ist, als nur das Ego des Gründers zu befriedigen und überzeugender, als immer nur neue Konsumbedürfnisse der Kunden herauszukitzeln.

Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen Schnellschüsse versprochen werden, wie: „In 14 Tagen zum Unternehmensstart“. Es gibt kein einfaches Rezept, wie man das Ziel eines guten Gründungskonzepts erreicht. Wer das verspricht, ist in meinen Augen ein Scharlatan. Die Aufgabe ist zu komplex. Es geht darum, das Potential, das in Ihnen steckt, zur Entfaltung zu bringen. Es geht überdies um die Bedürfnisse der Menschen. Vielleicht wollen Sie sogar noch etwas mehr: etwas finden und entwickeln, das Sinn hat, ökologisch vertretbar und sozial verträglich ist und darüber hinaus natürlich Überschüsse erwirtschaftet. Es soll Ihnen den Aufbau einer ökonomischen Existenz erlauben und Sie möglichst zufrieden und auch ein Stück glücklich machen.

Sie arbeiten also an einer anspruchsvollen Aufgabe. Dazu brauchen Sie Begeisterung, Handwerkszeug, Experimente, Ausdauer, Leidenschaft, Ambiguitätstoleranz, Liebe zum Ganzen und zum Detail – und viel Zeit. Entrepreneurial Design, das diesen Namen verdient, entsteht nicht über Nacht. „Gut Ding will Weile haben“ – das gilt auch bei der Konzeptentwicklung.

Dabei brauchen wir zuallererst Fantasie. Dazu müssen wir uns öffnen, bereit sein, Neues aufzunehmen. Auch das ist nicht leicht und keineswegs selbstverständlich. Leonardo da Vinci sagt: „Der Durchschnittsmensch schaut, ohne zu sehen, lauscht, ohne zu hören, bewegt sich ohne Körperbewusstsein, atmet ohne Bewusstsein von Duft und Parfum, und redet, ohne zu denken.“