Während hierzulande ein Börsengang abgeblasen wurde, fordert die US-Debatte um Arbeitskräfte in der Sharing-Economy ein prominentes Opfer – mit Folgen für Deutschland.

In der Debatte um mehr Start-ups an der Börse gibt es mal wieder Bewegung. Die Deutsche Börse teilte am Mittwoch mit, sie prüfe die Entwicklung eines Start-up-Index: „Die Berechnung eines Index, der die Entwicklung deutscher börsennotierter Wachstumsunternehmen repräsentativ dokumentiert, wäre wünschenswert.“ Statt eines „Neuen Marktes 2.0“ und dem kürzlich gestarteten Venture Network also ein Index. Immerhin. Der ist freilich nur aussagekräftig, wenn es genug börsennotierte Start-ups gibt, die man darin bündeln kann. Und da gab es in dieser Woche einen Rückschlag.

Die German Start-ups Group musste ihren Börsengang am Dienstag absagen. Die Beteiligungsgesellschaft konnte nicht genügend Investoren für seinen Sprung auf das Frankfurter Parkett gewinnen. Im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer sagte Christoph Gerlinger, man habe nicht am unteren Ende der Preisspanne an die Börse gehen wollen und daher lieber die Reißleine gezogen. Für die Start-up-Szene könnte die vorläufige Absage des Börsengangs ein Rückschlag sein. Investoren könnten auch bei anderen Start-ups nun einen Rückzieher machen. Die Kollegen von Deutsche-startups.de sehen das Ökosystsem gar „erschüttert“. Andere Beobachter sehen es weniger kritisch, hatten sie die Börsenpläne doch ohnehin sehr skeptisch betrachtet.

Auch die Zahlen, die Rocket Internet am Mittwoch zu seinen Vorzeige-Start-ups vorlegte, helfen kaum, eine neue Börseneuphorie zu entfachen. Zwar verkündete der Start-up-Inkubator stolz ein Umsatzplus von 217 Prozent. Doch ein Blick auf die einzelnen Start-ups verrät, dass sie nicht nur Verluste schreiben – wie viele junge Unternehmen in der Anfangsphase –, sondern dass sich das Minus bei den „Proven Winners“ teils massiv vergrößert hat. Das passt zwar zur Unternehmensstrategie von Rocket Internet, das Vertrauen der Investoren dürften die Zahlen aber nicht gerade stärken. Zumal auch Amazon nicht mehr unbedingt als Vorbild taugt.

Und obwohl Jeff Bezos mit einem Minigewinn überraschte, drängt Amazon weiter in neue Felder. In 15 neuen US-Metropolen von Chicago bis Miami bietet Amazon nun seine „Home Services“ und vermittelt  Reinigungskräfte oder Handwerker. Dagegen gibt mit Homejoy der Pionier der Putzportale zum Monatende auf – auch in Deutschland. Hintergund ist eine Debatte um die Einstufung von Arbeitskräften, die in den USA sogar den Präsidentschafts-Wahlkampf erreicht hat. Fahrer von Uber, aber auch Homejoy-Putzkräfte versuchen per Klage nicht mehr als Selbstständige, sondern als Angestellte behandelt zu werden. Nachdem ein Uber-Fahrer dabei einen ersten Erfolg erzielte, platzte eine Finanzierungsrunde bei  Homejoy.

Pikantes Detail: Zu den Investoren gehörte auch Google, die haben nun 20 Homejoy-Entwickler abgeworben und sollen eine eigene Putzkraftvermittlung planen. Der hiesige Anbieter Helpling aus dem Hause Rocket – früher mal als möglicher Homejoy-Käufer gehandelt – will offiziell nicht in den US-Markt stoßen. Ähnlich sieht es Book A Tiger, der Gründer Claude Ritter freut sich aber über die neuen Wettbewerber und betrachtet Google gar als „potentiellen Exit-Kanal“.

Ein immer beliebterer Exit-Kanal hierzulande ist ProSiebenSat.1: Nach der Übernahme von Amorelie, Verivox und auch RapidApe ist der Medienkonzern nun auch auf den Hund gekommen. Am Mittwoch verkündete das Unternehmen den Einstieg bei Epetworld. Das ist auch unter der Prämisse interessant, dass ProSiebenSat.1 mit einem Ausflug in die Start-up-Tierwelt schon einmal gescheitert ist. Doch wenn der Appetit auf Start-ups in Unterföhring anhält, ist das mit der Börse auch nur halb so wild.